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- 1: Entstehung.
- 2: Interview mit Thomas Busch.
- 3: Idee.
- 4: Brände in Griechenland.
- 5: Tierschutzpreis für den Tierärztepool.
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Kontoinhaber: Förderverein
Arche Noah Kreta e.V.
Institut: Commerzbank Lübeck
BLZ: 230 400 22
Kto.: 020923900
IBAN: DE02230400220020923900
BIC: COBADEFFXXX
Stichwort: Tierärztepool
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Stichwort: Tierärztepool
Der Tierärztepool
Zu einem Gespräch über die Entstehung, das Konzept und die Arbeit des Tierärztepools trafen sich am 01.06.2007 Conny Haag und Thomas Busch in Hamburg.
Conny Haag hat ihre Tierschutzerfahrungen u.a. mit dem Verein „
Bruno Pet e.V.“ gesammelt, der in Rumänien tätig ist.
Thomas Busch übernahm 2000 den Vorsitz des „
Fördervereins Arche Noah Kreta e.V.“ und gründete den Tierärztepool.
CH: Wie lange bist Du schon als Tierschützer aktiv?
TB: Bereits das Wort „Tierschützer“ ruft eine Gänsehaut bei mir hervor. Das Ziel des Tierschutzes sollte zwar bei allen „Tierschützern“ gleich sein, aber der Weg dahin ist unterschiedlich wie in keiner anderen Branche. Streit und Gezanke sind deshalb mit dem Begriff „Tierschützer“ eng verbunden und daher mag ich ihn nicht.
So darf ich Deine Frage ohne das Wort „Tierschützer“ beantworten. Ich versuche von Kindesbeinen an, Mitgeschöpfen nicht absichtlich Leid zuzufügen. Meine Mutter sagte immer: „quäle nie ein Tier zum Scherz, denn es fühlt wie Du den Schmerz.“ Da liegen wahrscheinlich die Wurzeln. Tierliebe und ein Veterinärstudium erweiterten den Wunsch zu helfen. Aktiv und in einem größeren Rahmen kann ich Dinge aber erst verändern, seit ich einem Verein beigetreten bin und anschließend sogar Vorsitzender wurde.
CH: Wann war das?
TB: 2000
CH: Dein Tätigkeitsfeld ist Kreta. Warum gerade Kreta?
TB: Der Wille zu helfen wollte es, dass ich mich als junger Tierarzt bei verschiedenen Organisationen meldete und heraus kam Kreta. Dabei blieb es bis heute. Es war also reiner Zufall.
CH: Ich habe Eure Probleme in Griechenland auf der Seite
www.archenoah-kreta.com verfolgt. Würdest Du sagen, Ihr seid auf Kreta gescheitert?
TB: Ja und Nein. Unser Verein hat es in relativ kurzer Zeit geschafft, in einem Land, was tierschutzmäßig jenseits von Gut und Böse ist, ein Tierschutzkonzept zu realisieren, wovon viele träumen. Diese Geschwindigkeit konnte nur erreicht werden, weil wir wie Besessene gearbeitet haben, aber leider manchmal auch gezwungen wurden, uns am Rande der Legalität zu bewegen. Denn die Gesetzeslage in Griechenland fordert Dinge, die nicht realisierbar sind. Und wenn man in Griechenland auf schriftliche Genehmigungen wartet, tut man das ein Leben lang. In dieser Zeit sterben jedoch die Tiere – was die Gesetzesmacher allerdings bis heute nicht interessiert.
So brach, wie es leider immer wieder im Tierschutz zu beobachten ist, ein Streit über unseren Verein herein, der zur Trennung vom griechischen Verein führte. Ähnliches wiederholte sich ein zweites Mal, so dass unser Vorstand als Konsequenz beschloss, keine feste und verpflichtende Bindung mehr einzugehen.
Wir hatten durch diese Querelen unser Tierheim im Westen der Insel - was über drei Jahre das best geführte in ganz Griechenland war - und dadurch auch Teile unseres Konzeptes verloren (Konzept: Bevölkerungsaufklärung, Kastrationen, Tierheim, Ausfuhr der Tiere, Finanzierung;). Dadurch profitierten aber die anderen auf Kreta arbeitenden Tierschutzgruppen, die ab dieser Zeit überhaupt erst einmal eine nennenswerte Unterstützung erhielten.
So bleiben aus alledem ein lachendes und ein weinendes Auge übrig.
CH: Was bedeutet „am Rande der Legalität“?
TB: Die Liste der Gesetzeswillkür in Griechenland ist endlos. Zwei Beispiele: Man fordert bei der Ausfuhr von Straßenhunden aus Griechenland, dass die Tiere in der örtlichen Gemeinde abgemeldet werden. Es gibt aber nirgendwo eine Stelle, in der Tiere registriert sind. So ist jeder, der Tiere ausführt, illegal tätig.
Ein weiteres Beispiel ist die Erteilung der Arbeitserlaubnis für unsere Tierärzte. Diese wird seit Jahren vom Agrarministerium in Athen verweigert. Somit wären wir in der Anfangsphase auf griechische Kollegen angewiesen gewesen, was den finanziellen Rahmen gesprengt hätte und sich auch dadurch nicht realisieren ließ, weil einfach keine kompetenten Tierärzte für die kostenlose Kastration an Straßentieren zu finden waren. Auf manchen Inseln gibt es überhaupt keine Tierärzte!
CH: Wie hast Du darauf reagiert?
TB: Wir sind das Risiko eingegangen, uns Ärger einzuhandeln. Aber was ist schon Ärger, gegenüber der Hilflosigkeit schwer verletzter Tiere auf Griechenlands Straßen?
Der Ärger stellte sich auch prompt ein. In Deutschland warfen uns einige impertinente Mitglieder, von denen manche noch nie auf Kreta waren, inkompetentes Handeln vor, in Griechenland wurden wir von manchen Gemeinden eingeladen zu helfen, von anderen gewarnt Ärger mit ihnen zu bekommen. Gearbeitet haben wir aber trotzdem.
CH: Was habt Ihr unternommen, um die Vorwürfe der Illegalität zu entkräften?
TB: Wir haben das griechische Agrarministerium wegen faktischer Nichtumsetzung der Richtlinie zur Anerkennung der Approbation von Tierärzten bei der EU Kommission verklagt.
CH: Und was ist dabei herausgekommen?
TB: Das Verfahren läuft noch, deshalb kann und will ich dazu keine Stellung beziehen. Aber eins ist klar; wenn sich die einzelnen EU Mitgliedsstaaten nicht an die Gesetze der EU halten, wozu dann das ganze?
CH: Du hast den Tierärztepool ins Leben gerufen. Wie kam es zu dieser Idee?
TB: Das Motto des Tierärztepools „Kastrationen um Leben zu retten“ ist ja nicht neu. In der Tierschutzszene bekannte Tierärzte wie zum Beispiel Dorothea Friz aus Italien reden und tun seit Jahrzehnten nichts anderes. Erfolgreich! Vielleicht liegt es an unserer Berufswahl, dass uns die Kastrationen überaus wichtig sind. Und natürlich ist auch die medizinische Betreuung in Tierheimen erforderlich, leider aber nur selten ausreichend vorhanden. Ich sah hierin eine große Lücke.
So stand ich damals vor der Wahl mich zu einem perfekten Arzt ausbilden zu lassen (im Studium lernt man das nämlich nicht) oder eine andere Lösung zu finden. Als ich meine beiden Hände betrachtete und anschließend die Anzahl von Straßentieren, gab es nur einen Weg: ich musste mehr Hände, also Tierärzte, für die Idee begeistern.
CH: Das heißt, Du bist kein perfekter Tierarzt?
TB: (lacht) Gott bewahre, nein, wer ist schon perfekt?
CH: Aber Du leitest Kastrationsaktionen?
TB: Gerade deshalb! Ich schaffte es nämlich tatsächlich, gute, nein sehr gute Tierärzte zu finden, die sich nur auf die Chirurgie konzentrieren mussten. Alles Weitere habe ich bzw. unser Verein gemacht. So kann ich mit Stolz auf unsere sehr fähigen Weichteilchirurgen blicken, die sich speziell für diesen Zweck aus- und weitergebildet haben.
CH: Aber wie entstand nun der Tierärztepool?
TB. Ach ja… auf Kreta begannen wir, unseren „Operationsradius“ weit aus dem Tierheimumfeld hinaus zu verlagern. Wir optimierten das Equipment und sammelten ungemein wichtige Erfahrungen außerhalb der schützenden Wände eines sterilen OP-Raumes.Die Erfolge sprachen für sich.
Man fragte von anderen Inseln nach unseren Tierärzten und bald war der Bedarf weit größer, als es unser kleiner Verein zu leisten in der Lage gewesen wäre.
Zeitgleich entstand der Kontakt zum
Europäischen Tier- und Naturschutz e.V. (ETN), der gleichfalls die Bedeutung der Kastrationen verstanden hatte und umzusetzen versuchte.
Die Erfahrungen, die wir bis dahin gesammelt hatten, reichten aus, um auch an anderen Orten zu helfen.
CH: Du hast also Kreta den Rücken gekehrt?
TB: Um Gotteswillen, nein. Ich mag die Insel. Und viele Tierschützer sind von unserer Hilfe abhängig. Das ist eine große Verpflichtung und Verantwortung. Aber im Laufe der vielen Reisen in andere Länder habe ich lernen dürfen, dass es schei… egal ist, von wo das verletzte Tier kommt. Wichtig ist einzig und allein, dass ihm geholfen wird. Oder meinst Du, dass ein angefahrener Hund mit Oberschenkelbruch aus der Türkei weniger leidet als ein angeschossenes Tier aus Griechenland?
CH: Natürlich nicht! Aber wie finanziert sich der Tierärztepool?
TB: Vereinsmeierei ist mir eigentlich ein Graus. Meistens bedeutet das Streit oder unnütze Diskussionen, die alles auf die lange Bank schieben. Ich bin eher jemand, der lieber anpackt, als lange Pläne zu schmieden, die eh nicht umgesetzt werden. So ist der Tierärztepool komplett ohne Vereinsbindung entstanden.
Er ist so etwas wie ein Dienstleistungsunternehmen, das unter bestimmten Vorraussetzungen von jeder Gemeinde oder jedem Tierheim angefordert werden kann. Die Finanzierung obliegt dann denjenigen, die die Tierärzte des Pools brauchen. Dafür erhalten sie eine gute professionelle Arbeit, eine Plattform der Vermarktung (www.tieraerzte-pool.de) und ein, falls gewünscht, maßgeschneidertes Konzept für die Zukunft.
CH: Was kostet denn so ein Einsatz?
TB: Das ist völlig unterschiedlich und richtet sich natürlich nach dem Ort, aber vor allem nach der Tierart und –Anzahl. Die Kastration einer Hündin ist halt teuerer als die eines Katers. Und die Ärzte werden für ihre Arbeit auch bezahlt. Mit Ehrenamtlichen habe ich anfangs gearbeitet, aber es funktioniert nicht auf Dauer. Diese Leute begreifen ihr Angebot zu helfen auch immer mit dem latenten Egoismus, für sich selber etwas dazu zulernen. Was ja nicht schlimm ist. Anfänger können uns aber maximal begeleiten, was immer viel Zeit und Geduld in Anspruch nimmt. Wer uns anfordert, weiß die Professionalität zu schätzen und darf diese auch erwarten.
CH: Du suchst also keine neuen Tierärzte?
TB: Doch, natürlich. Ich merke ja, dass wir mit den Ärzten, die bisher für uns unterwegs sind, nicht auskommen. Die Anfragen werden immer mehr. Aber die Ausbildung kann nicht während eines Einsatzes erfolgen. Schau, unsere erfahrenste Chirurgin benötigt für eine Kastration eines weiblichen Hundes ohne Assistenz ca. 15 Minuten. Mit einem Neuling kann so eine Operation leicht mal eine Stunde oder mehr dauern. Außerdem kommen die Tiere oftmals recht schnell wieder auf die Straße, da müssen die Ligaturen sitzen.
Chirurgische Erfahrungen kann man auch in Deutschland sammeln. Wenn eine gewisse Grundkenntnis besteht, können gemeinsame Einsätze geplant werden, aber nicht zu unterschätzen ist die menschliche Komponente. Wir arbeiten oftmals 12 Stunden und mehr und sind nach einer Woche natürlich auch nervlich angespannt. Wenn es dann nicht im Team harmonisch abläuft, kann so ein Einsatz schnell die Hölle werden. Das möchten wir vermeiden.
CH: Wenn ein Tierheim X die Ärzte des Pools einladen möchte, wie funktioniert das?
TB: Durch die enge Zusammenarbeit mit dem ETN konnten wir die Arbeit des Tierärztepools erweitern und müssen auch finanziell schwachen Vereinen oder Gemeinden mit leerer Staatskasse bei Anfragen nach Hilfe nicht absagen. Dann muss die entsprechende Erlaubnis im Land eingeholt werden und anschließend besprechen wir die Vorgehensweise. Wir sind sehr anspruchslos und haben das meiste Equipment dabei.
Sehr hilfreich ist es, wenn einheimische Tierärzte in die Aktion involviert werden können, dann gibt es mit den Räumlichkeiten keine Probleme. Außerdem ist es in unserem Interesse, lediglich Hilfe zur Selbsthilfe zu bieten und die Tierärzte vor Ort so zu begeistern, dass sie nach unserer Abfahrt alleine weiterarbeiten. Aber leider fehlt dazu oftmals das nötige Geld. Dann müssen also die Gemeinden endlich zu ihrer Verantwortung gezogen werden. Aber das ist ja bekanntlich der steinigste Weg.
CH: Ist der ETN dann lediglich der Geldgeber?
TB: Geldgeber klingt sehr negativ. Der ETN ist bestrebt, eigene Kastrationsprojekte voranzutreiben. Da die Entstehung des Tierärztepools in Anlehnung an den ETN geschah und der ETN bei vielen Aktionen finanziell geholfen hat und auch die Tierärzte des ETN mitarbeiten, verstehen wir den Tierärztepool auch gerne als ein Teil des ETN. Aber selbstverständlich arbeiten wir auch für andere seriöse Vereine, die uns anfordern.
CH: Von welchem Einsatz hast Du Deine schönsten oder auch schlechtesten Erinnerungen behalten?
TB: Alle bisherigen Einsätze waren erfolgreich und damit schöne Erinnerungen. Schau, ein kastriertes Tier kann sich nie wieder am Welpenelend beteiligen, egal ob in einem gut oder schlecht geführten Tierheim. Damit ist jede Operation ein Erfolg. Außerdem helfen wir den Tieren immer mit einer Parasitenbehandlung oder einer anderen Operation, auf die das eine oder andere Tier schon lange wartet. Wenn wir wieder verschwinden, hat sich der Zustand ganz vieler Tiere verbessert. Damit ist jeder Einsatz erfolgreich.
Ein einziges Mal arbeiteten wir in einem völlig überfüllten und chaotischen Tierheim in welchem wir auch gleichzeitig 40 Tiere für die Ausreise nach Deutschland vorbereiteten. Sie wurden gechippt und geimpft, auf Reisekrankheiten untersucht und natürlich kastriert.
Sie hatten also alles über sich ergehen lassen, um dem Moloch zu entkommen. Dann aber wurde uns mitgeteilt, dass der Tierheimleiter (viel zu niveauvolles Wort für diese Pflaume) die Tiere nicht herausgibt da er sie ja so sehr liebt und sie alle behalten möchte. Aber kastriert und geimpft waren sie, so dass diese Aktion zwar ihr Ziel verfehlt hat, aber trotzdem haben wir den Tieren geholfen.
Und die interessantesten Einsätze waren die auf den Kapverdischen Inseln (Westafrika). Das Land, die Menschen, die Armut, das Abenteuer und die Improvisation sind andere Eindrücke als wir sie sonst sammeln. Außerdem handelt es sich dort um ausschließlich Tiere, die auf der Straße leben, also nicht in einem Tierheim gehortet werden und auch nicht von Privatleuten verhätschelt oder missbraucht werden. So lässt sich die Reduzierung der Tierzahl sehr schön beobachten und ist DER Beweis, dass es auch ohne brutale Vergiftungsaktionen geht. Die, in den Gebieten, in denen wir gearbeitet haben, von Seiten der Stadt auch eingestellt wurden.
CH: Wie wichtig ist für Dich Erfolg?
TB: Na, der Erfolg ist DAS wichtigste. Erfolg definiert sich damit, dass Tierelend erst gar nicht geboren wird. Außerdem finanzieren sich die Aktionen sich fast ausschließlich durch Spendengelder. Also ist es unser Anliegen und auch unsere Pflicht, diese Gelder tierschutzorientiert auszugeben. Was wäre eine Kastrationsaktion, wenn wir wiederkämen, Euro 5000,- ausgegeben hätten und lediglich 10 Tiere kastriert hätten?
CH: Misst Du den Erfolg nur an der kastrierten Tierzahl?
TB: Nein, nicht nur. Vielleicht habe ich mich eben falsch ausgedrückt. Eine Kastrationsaktion ist auch dann erfolgreich, wenn wir im Land die Menschen zu einem Umdenken bewegen können. Wenn wir es schaffen, einen Tierarzt oder Amtstierarzt davon zu überzeugen, dass die Kastrationen a) auf lange Sicht billiger sind und b) natürlich auch humaner als die Vergiftungen, haben wir ein großes Ziel erreicht.
Auch wenn wir diesen interessierten Tierärzten das Kastrieren beibringen können - leider ist die Fähigkeit oft unterbelichtet - und sie nach unserem Abflug weitermachen, ist ebenfalls ein großer Schritt getan. In Portugal konnten wir 22 Amtstierärzte schulen und für unsere Idee begeistern.
CH: Habe ich Dich richtig verstanden, dass Ihr besser seid, als andere Ärzte?
TB: Selbstverständlich nicht. Aber unsere Ärzte kastrieren bei solchen Einsätzen pro Woche zwischen 100 und 200 Tieren. Rechne das mal aufs Jahr hoch. Also ist es doch logisch, dass hier mehr Erfahrung in der Waagschale liegt, als bei einem Kollegen, der 5 Operationen im Jahr macht. Wir sind eben spezialisiert, haben mittlerweile ein sehr gutes Equipment und liegen dadurch meistens vorne. Das heißt aber nicht, dass wir schlechter oder besser in der Allgemeinmedizin sind als andere Kollegen oder dass andere Kollegen nicht kastrieren können. Von Großtieren hat zum Beispiel keiner von uns Ahnung.
Ein schlechter Tierarzt ist höchstens jemand, der Fortbildung und Verbesserung ignoriert und ablehnt. Auch wir lernen immer noch dazu!
CH: Du erwähnst öfter das Wort „Konzept“. Was bedeutet dies für Deine Arbeit?
TB: Ich antworte mit einem Beispiel. Herr oder Frau X lieben Tiere. Sie finden in einem Land mit einer hohen Dichte an Straßentieren jeden Tag neue. Einer nach dem anderen wird aufgenommen und liebevoll umsorgt. Bis hierhin bin ich einverstanden. Aber irgendwann haben Familie X so viele Tiere aufgenommen, dass die beiden sie unmöglich versorgen können. Das Konzept kippt, bzw. war nie vorhanden. Anschließend wird rum geschrieen und anderen die Schuld gegeben. So funktioniert kein Tierschutzkonzept! Man muss sich erst überlegen: welche Bedürfnisse kann ich für welche Tierzahl mit meinen jetzt zur Verfügung stehenden Mitteln einigermaßen befriedigen. Diese Zahl darf nicht überschritten werden. Ich habe Tierheime mit über 300 Hunden gesehen wo es nicht mal Wasser und Strom auf dem Gelände gab. In dem "Tierheim" auf Kreta, wo ich meine ersten Lektionen lernte, starben in guten Monaten 50, in schlechten Monaten 70 Tiere. Wo ist das bitteschön Tierschutz??? Mit unserem Konzept, in dem die Tierärzte eine ganz entscheidende Rolle spielen, senkten wir die Todesrate auf 1-2 Tiere im Monat – und die wurden meistens schon fast tot zu uns gebracht.
CH: Was rätst Du Tierschützern, die an oder über ihrer Aufnahmekapazität arbeiten und trotzdem immer wieder Tiere aufnehmen müssen?
TB: Darf ich mit einer Gegenfrage antworten? Wenn ein Tierheim klagt, es habe zu viele Tiere, sagen wir mehr als 300, und man als großer Verein vorschlägt die Hälfte auszufahren, wie kann es sein, dass in kurzer Zeit wieder auf 300 aufgefüllt wird, diese Zahl dann aber wieder über Jahre Bestand hat? Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass wir das ganze Elend nicht in einem Tierheim retten können. Deshalb: nur das aufnehmen, was ich auch gut versorgen kann.
CH: Du weichst meiner Frage aus.
TB: Ich kann mir denken, was Du hören willst. Ich bin in der glücklichen Lage, zwischen den Einsätzen immer wieder Luft zu holen und dem Elend, zumindest für kurze Zeit auszuweichen. Halte mich deshalb aber bitte nicht für jemanden, der als Tierschutztheoretiker irgendeinen Mist nachsabbelt. Ich weiß wovon ich rede. So habe ich Tierheime besucht, da saßen ungeimpfte Welpen neben Hunden die mit dem ganzen Körper zuckten. Staupekandidaten! Da kannst Du drauf warten, bis auch die Welpen diese verfluchte Krankheit bekommen. Und wenn Du schon einmal miterlebt hast, wie elendig Tiere an Staupe oder Parvo sterben… über Wochen! Ja, dann empfehle ich die Euthanasie. Aber wir Tierliebhaber haben die Pflicht, solche Missstände zu ändern. Das funktioniert mit einem Konzept! Vergleichen wir das Straßentierelend mit einem großen Sandhaufen. Um es wegzuschaufeln haben wir einen Teelöffel. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten. 1. Familie X, die sich, wie eben erklärt, alleine mit dem Löffel in den Berg reingräbt, aber von dem nachrutschenden erschlagen wird. 2. Wir nehmen immer nur so viel auf den Löffel, wie raufpasst und tragen es an eine andere Stelle. Dadurch, dass wir nicht erschlagen werden, kommen weitere Helfer hinzu und helfen ebenfalls mit einem weiteren Löffel. Und irgendwann ist der Haufen weg.
CH: Bietest Du dieses Konzept auch anderen Vereinen an?
TB: Klar. Ständig und bei jedem Einsatz.
CH: Und? Wie ist das Ergebnis.
TB: Völlig unterschiedlich. Meistens liegt es an den Betreibern, ob sie es annehmen oder nicht. Aber zumindest Teile unserer Vorschläge bleiben hängen. Und selbst wenn nicht – den Tieren vor Ort haben wir auf jeden Fall geholfen!
CH: Zum Abschluss noch eine ganz andere Frage: „wie erziehst Du Deine Kinder?“ (Thomas Busch und seine Lebensgefährtin Dr. Diana Mull haben zwei Jungen im Alter von fast 3 und 7 Jahren.)
TB: (lacht) Gar nicht, das macht Diana.
Nein ernsthaft, wir versuchen ihnen beizubringen, dass man Mitgeschöpfen absichtlich kein Leid zufügen darf.
„Quäle nie ein Tier zum Scherz, denn es fühlt wie Du den Schmerz“!
Was sie später daraus machen und ob sie in unsere Fußstapfen treten, ist ihre Sache.
Bis heute ist uns das auf jeden Fall gut gelungen und ich bin stolz auf die besten Jungens der Welt. Wie wahrscheinlich alle Mütter und Väter dieser Erde.


