» Berichte & Tagebücher
- 1: Kapverden - Juni 2010.
- 2: Kroatien - Juni 2010.
- 3: Fotogalerie Dominikanische Republik - Januar 2010.
- 4: Dominikanische Republik - Januar 2010.
- 5: Rumänien - September 2009.
- 6: Rumänien - Juni 2009.
- 7: Eine Reise in eine andere Welt.
- 8: Brasov - Rumänien Januar 2009.
- 9: Ungarn - Juli / August 2008.
- 10: PRO GAT AMPURIA - Mai 2008.
- 11: Miercurea Ciuc - Rumänien April 2008.
- 12: Malta - März 2007.
- 13: Kapverden November 2006.
- 14: Ampuria Brava und Valongo - Februar 2007.
- 15: Portugal November 2006.
- 16: Teneriffa Juli 2006.
- 17: Kapverden Mai 2006.
- 18: Auf einer griechischen Insel....
- 19: Rumänien / Suceava 2006.
- 20: Kapverden August 2005.
- 21: Fado.
Spendenkonto
Kontoinhaber: Förderverein
Arche Noah Kreta e.V.
Institut: Commerzbank Lübeck
BLZ: 230 400 22
Kto.: 020923900
IBAN: DE02230400220020923900
BIC: COBADEFFXXX
Stichwort: Tierärztepool
Einsatz auf Teneriffa
von Dr. Ulrich Severin
"Hallo Ulrich, hier spricht Thomas!“, sprach es mit ungewohnt offiziellem Tonfall aus dem Hörer des Telefons. „Das hört sich nach Arbeit für den Tierärztepool an“, war mein erster Gedanke, und richtig, Thomas Busch bat mich, für die Kollegin Ricken einzuspringen. Julia, die ebenfalls dem Tierärztepool angehört, war mit einem verletzten Finger ausgefallen, was beim Kastrieren durchaus hinderlich ist.
Nachdem ich 2004 bereits drei Mal die gewohnten Gefilde der heimischen Praxis verlassen hatte, um auf Kreta bzw. in der Türkei die Tierschutzarbeit zu unterstützen, sollte es dieses Jahr nach Teneriffa gehen. Der ETN hatte beim Tierärztepool Unterstützung für das städtische Tierheim in La Laguna im Norden der Insel angefordert, in dem etwa 100 Tiere kastriert werden sollten.
Am 23. Juli machten sich also die Kollegin Inès Leeuw, die Schülerin Carina Bercht und ich uns auf den Weg von Hamburg nach Teneriffa. Wie üblich durch die medizinische Ausrüstung mit reichlich Übergepäck bestückt, bestiegen wir den Airbus der Condor, bei der wir uns an dieser Stelle für die großzügige Auslegung der Übergepäckregelungen und der Kabinengepäckkriterien bedanken.
Sitzt man in einem Ferienflieger, der gutgelaunte und sonnenhungrige Urlauber auf eine Insel fliegt, in deren Süden sich ein Flüchtlingsdrama in unmittelbarer Nachbarschaft der Hotelanlagen und Strände abspielt, so fragt man sich, ob man auf dem richtigen Planeten ist.

Urlaubsparadis Teneriffa...

...mit dem berühmten Teide
Diese Frage stellt man sich ebenfalls als Tierarzt und Tierschützer, wenn man erlebt, zu was für körperlichen und seelischen Grausamkeiten Menschen gegenüber tierischen Schutzbefohlenen im Stande sind. Wir hatten es in Griechenland gesehen und in der Türkei war es keinen Deut besser. Was würde uns in Spanien erwarten? Um es vorweg zu nehmen: schwer körperlich misshandelte Tiere sahen wir während unseres Aufenthaltes nicht. Das Schicksal derjenigen, die von ihren Familien nicht mehr gewollt werden, weshalb Mensch sie einfach aussetzt oder ins Tierheim steckt, berührt aber ebenso. Man muss nur die Frage nach dem „Warum?“ in den Augen der Hunde und Katzen sehen, um zu begreifen, dass der seelische Schmerz eine ganz grausame Form der Tierquälerei darstellt.
Auf der Insel angekommen holt uns Gisela Zifferer am Flughafen ab. Gisela lebt seit über 30 Jahren auf Teneriffa und ist das Rückgrat des lokalen Tierschutzes.

Bereits auf der Fahrt zu unserer Unterkunft gibt sie uns einen Einblick in die Situation des Tierschutzes. „Komisch“, denke ich, „das kommt dir alles sehr bekannt vor“, als sie von den Problemen mit den örtlichen Behörden erzählt, die mitunter Blockadepolitik betreiben und die Arbeit der Tierschützer durch „Mitarbeit trotz Unkenntnis“ erschweren. So sitzen im Tierheim von La Laguna etwa 350 Tiere und Gisela bekommt eines Tages die Nachricht, etwa 400 Hunde aus privaten Heimen aus dem Süden müssten zusätzlich aufgenommen werden, schließlich handele es sich bei La Laguna um ein städtisches Tierheim. Die Spuren dieser Behördenkämpfe sind Gisela an diesem Tag anzusehen. Trotzdem zieht sie in den Kampf, fährt zum Bürgermeister und gewinnt zugunsten der Tiere, deren Heim sowieso an der Grenze der Belastbarkeit operiert. 400 zusätzliche Hunde und Katzen hätten Verelendung durch katastrophale Massentierhaltung bedeutet.
Wir gewinnen während unseres Aufenthaltes den Eindruck, dass es um den Tierschutz auf Teneriffa ohne Gisela Zifferer schlecht bestellt wäre. Sehr bemerkenswert sind vor allem ihre unermüdlichen Versuche, den Heimen den Nimbus von Tötungsstationen abzunehmen und stattdessen auf gezielte Vermittlung und Aufklärung der Bevölkerung zu setzen.

Hunde in La Laguna
Neben Gisela hatten wir Unterstützung von Fernando, einem spanischen Tierarzt, auf Teneriffa aufgewachsen und mit der Leitung des Tierheimes betraut. Fernando ist für alle Tiere von La Laguna ein echter Segen! Noch nie hatten wir vorher in Südeuropa einen Kollegen angetroffen, der mit so viel Verstand, Fachkompetenz und noch mehr Herz bei der Sache war. Es war schön, zu sehen, wie er den verschüchterten, ängstlichen Tieren mit seiner einfühlsamen, liebevollen Art ein bisschen Nähe und Würde zurückgab, die ihnen andere Menschen genommen hatten. Fernando und sein Team gaben uns bei unseren Oparationen alle erdenkliche Hilfe, ohne die wir bestimmt einige Hunde und Katzen weniger kastriert hätten.

Ines Leeuw kastriert eine Hündin

Der Autor bei der Kastration einer Hündin
144 Tiere konnten wir in fünfeinhalb Tagen kastrieren, wobei es natürlich nicht allein bei Kastrationen blieb. Ebenso operierten wir Tumoren und nahmen Wundversorgungen vor. Ein straffes Programm also, das ohne Carinas Hilfe kaum möglich gewesen wäre. Es war erstaunlich, wie routiniert und professionell sie zwei Tierärzten gleichzeitig assistierte, indem sie die Hunde und Katzen für die Eingriffe vorbereitete. Jeder Handgriff saß und furchtlos bändigte sie sogar schwierige Patienten, indem sie ihnen mit ihrer liebevollen Art einfach gut zuredete. Selten haben wir ein junges Mädchen erlebt, das so selbstständig arbeitet und sich so aufopferungsvoll für den Tierschutz engagiert, wie Carina, die dabei ausschließlich durch Tierliebe motiviert wird.

Die "Kastrationsstrecke"
Obwohl der OP des Tierheimes gut ausgestattet war, mussten wir auch auf Teneriffa unseren Improvisationsgeist aktivieren, kastrieren wir doch allein, ohne Assistenz. Für mich als Tierarzt, der in der sicheren Umgebung der Praxis arbeitet, in der Kastrationen zu zweit plus Anästhesistin durchgeführt werden, ist es immer wieder erstaunlich zu sehen wie professionell und peinlichst sauber man selbst unter schwierigen Bedingungen arbeiten kann. Auch als erfahrener Chirurg kann man von Inès Leeuw auf Tierschutzaktionen wie dieser immer noch dazulernen. Sehr kleine Bauchschnitte, Intrakutannähte und die Kastration in durchschnittlich 15 Minuten sind für sie Standard. Dazu eine ausgezeichnet gesteuerte Narkose und ein venöser Zugang für jeden Patienten runden die hervorragende Arbeit der „hauptberuflich“ für den Tierärztepool arbeitenden Tierärzte und Tierärztinnen ab. Einen derart hohen Standard für den Routineeingriff Kastration sucht man in manch einer Tierarztpraxis vergebens. Und so erklärt sich, dass sich Zwischenfälle und postoperative Komplikationen auf sehr seltene Einzelfälle konzentrieren.

Das Tierheim La Laguna und seine gesamte Mannschaft, ebenso wie die unermüdlich für die Rechte der Tiere kämpfende Gisela Zifferer verdienen unsere Unterstützung und die des ETN, weil dort Tierschutz mit Herz und Verstand betrieben wird, um die Tötungsstation in eine Chance für ein neues Hunde- bzw. Katzenleben umzuwandeln.
Die Idee des Kollegen Busch, einen Tierärztepool, also ein Reservoir zu schaffen, aus dem man jederzeit, auch kurzfristig, schöpfen kann, erachte ich als eine sehr unterstützenswerte! Hätten jetzt Anzeigen geschaltet werden müssen, um einen Ersatz für die ausgefallene Kollegin zu finden, hätte das Projekt vielleicht verschoben werden müssen, oder es wären nur die Hälfte der Tiere operiert worden. Es ist gut, motivierte Kolleginnen und Kollegen in einem Tierärztepool zu „bündeln“, um sie jederzeit abrufen zu können, damit der (Auslands-) Tierschutz nicht ins Stocken gerät!
Ihr
Ulrich Severin, Tierarzt
Projektfinanzierung: ETN
Diese Aktion wurde finanziert durch:
ETN - Europäischer Tier- und Naturschutz e.V.
Hof Huppenhardt
53804 Much
Tel: 02245/61900
Fax: 02245/619011
e-mail:
info(at)etn-bonn.de
Internet:
www.etn-bonn.de
VR2454, Amtsgericht Siegburg
Spendenkonto:
Europäischer Tier- und Naturschutz e.V.
Dresdner Bank Bonn
Kto: 0214243001
BLZ: 37080040
Stichwort: Ärztepool


