» Berichte & Tagebücher
- 1: Kapverden - Juni 2010.
- 2: Kroatien - Juni 2010.
- 3: Fotogalerie Dominikanische Republik - Januar 2010.
- 4: Dominikanische Republik - Januar 2010.
- 5: Rumänien - September 2009.
- 6: Rumänien - Juni 2009.
- 7: Eine Reise in eine andere Welt.
- 8: Brasov - Rumänien Januar 2009.
- 9: Ungarn - Juli / August 2008.
- 10: PRO GAT AMPURIA - Mai 2008.
- 11: Miercurea Ciuc - Rumänien April 2008.
- 12: Malta - März 2007.
- 13: Kapverden November 2006.
- 14: Ampuria Brava und Valongo - Februar 2007.
- 15: Portugal November 2006.
- 16: Teneriffa Juli 2006.
- 17: Kapverden Mai 2006.
- 18: Auf einer griechischen Insel....
- 19: Rumänien / Suceava 2006.
- 20: Kapverden August 2005.
- 21: Fado.
Spendenkonto
Kontoinhaber: Förderverein
Arche Noah Kreta e.V.
Institut: Commerzbank Lübeck
BLZ: 230 400 22
Kto.: 020923900
IBAN: DE02230400220020923900
BIC: COBADEFFXXX
Stichwort: Tierärztepool
Valongo – Nordportugal 25.11. – 01.12.2006
Ein Bericht von Thomas Busch

Von den Kapverdischen Insel kommend, wo wir innerhalb von 10 Tagen 235 Operationen - davon alleine 123 Kastrationen von Hündinnen - durchführten, hatten wir uns einen Tag „Frei“ in Lissabon redlich verdient.
Der Wettergott hatte aber andere Pläne und so sendete er uns einen Sturm nach dem anderen, strömender Regen inklusive. Er hielt so lange durch, bis wir nachgaben und unverzüglich weiter nach Valongo fuhren.
„Den freien Tag holen wir am Rückflugtag nach“, dachten wir, natürlich bereits ahnend, dass das, wie eigentlich immer, wohl nichts werden würde.
Der Flug von Lissabon nach Valongo, im Norden Portugals gelegen, sollte € 280,- pro Person kosten, ein Grund, sich für die Bahn für € 24,- zu entscheiden. Leider ist die Reise mit ca. 80 kg Gepäck nicht wirklich lustig, erst recht nicht, wenn der Zug am anderen Ende des Bahnhofes steht.
Dr. Fernando Rodrigues holte uns ab, im Schlepptau Stefan Bröckling, ein Filmemacher aus Deutschland, der uns - leider nur für 2 Tage - begleiten sollte. Wie gut, dass der Wettergott uns Zeichen gab, sonst hätte Stefan seine Ausrüstung lediglich nur für einen Tag nutzen können. Ein bisschen wenig…

Dr. Fernando

die städtische Klinik

Stefan Bröckling
Fernando fährt uns ins Hotel, in dem wir lediglich unsere Sachen abstellen. Der Nachmittag ist noch jung und warum sollen wir die Zeit nicht nutzen?
Unser Equipment reicht für 100 Hunde, wohl wissentlich, dass ein großer Teil davon Hündinnen sind. Fernando grinst: “es sind aber 126 auf der Liste…"
„Keine Chance“, denken wir und bestaunen die Klinik.
Fernando ist der erste Tierarzt - glücklicherweise in der Position eines Amtsarztes - der es mit der Gemeinde gewagt hat, eine Klinik für Straßentiere zu errichten. „Gut durchdacht“, denken wir während der Führung und staunen über die Sauberkeit. Es gibt einen Warteraum, einen Behandlungsraum und einen OP-Raum.

Im hinteren Bereich schließt sich ein Hof an, der mit einem großen Tor jeglichen Fluchtversuch im Keim erstickt.

Hier befinden sich 7 Zwinger, in einer ausreichenden Größe.

Ein großer, beheizbarer Raum ist genauso gefliest, wie alles hier auf dem Gelände. Die Stadt hat Fernando das Grundstück von vielleicht 500 qm am Ende des städtischen Lagerplatzes zur Verfügung gestellt. Hier stört das Gebell niemanden und die Busse, Autos, Hallen etc., inklusive der Klinik, werden von einem hohen Zaum und einem Wächter rund um die Uhr vor unliebsamen Gästen geschützt. Ein ideales Plätzchen.

rechts: die Klinik
Im Hof begrüßen uns die beiden Hunde von Fernando. Sie dienen als „Hilfsmittel“, wenn Schulklassen anreisen. Die braune Hündin ist ebenfalls überall in der Stadt zu sehen und wirbt mit ihrem treuen Blick für die Adoption ihrer Leidensgenossen. Eine prima Idee!

Eine Rottweilerhündin, ein wuscheliger Mix, ein Wurf Welpen und eine kleine schwarze Hündin beleben die Zwinger.
„Fangen wir an“ sagen wir und Fernando glaubt zu träumen, als der Wuschel 15 Minuten später rücklings auf dem OP-Tisch liegt. Endlose Begeisterung, als sie nach weiteren 15 Minuten kastriert ist. Seine Augen leuchten. „Das will ich auch lernen“!

Die „Queen of kastration“ mit dem ersten Patienten
Fernandos Organisationstalent zeigt sich in den nächsten Stunden. Er hat den Tierheimbetreibern, rund um Valongo, gesagt, dass sie ihre Tiere zur Kastration bringen können. Der Wuschel ist noch nicht ganz aus der Narkose erwacht, da lädt der erste Wagen 10 Hunde im Hof aus und füllt damit die Zwinger. Stefan verpasst keine Gelegenheit und drängt sein Objektiv in jede Bewegung.

Die Stimmung ist ausgezeichnet, allerdings operiert heute Fernando noch nicht mit. Wir wollen morgen in Ruhe sehen, welche Grundkenntnisse er besitzt.
11 Hündinnen, 4 Rüden und ein Nabelbruch sorgen in dieser Nacht für große Freude bei Fernando. Mit dieser Geschwindigkeit hat er nicht gerechnet und wir spüren förmlich seinen Ehrgeiz.
Am nächsten Morgen sind unsere Patienten wohl auf. Sie werden gegen 9:00 Uhr abgeholt und von unkastrierten Tieren ersetzt. Jetzt schlägt Fernandos große Stunde. Wie alles rund um „seinen Tierschutz“ enttäuscht er auch im operativen Bereich nicht. Seine Erfahrung ist gut und ein paar „kleine Tricks“ von Ines und schon arbeitet er allein. Sein Geschick ist überdurchschnittlich gut!

erst zugucken

dann nachmachen

65 Hunde sind geschafft und damit gibt es in dem ersten Tierheim keine unkastrierten Hündinnen mehr. Leider kamen einige Tiere in einem ziemlich verwahrlosten Zustand, so dass wir vermuteten, dass die Tierheimführung nicht die Qualifizierteste ist. Als Stefan aufbricht, um dort zu filmen, fahre ich mit. Leider bricht die Dunkelheit über den Ort herein, so dass alles noch trauriger wirkt. Stefan ist geschockt. Es ist aber auch das erste Mal, dass er ein Tierheim im Ausland besucht. Einen wirklichen Trost mit den Worten, dass es fast überall so aussieht, kann ich nicht spenden. Ich hasse mittlerweile solche Orte.

Eine Dogge in sehr schlechtem Zustand – wir wollen sie mit nach Deutschland nehmen, aber die Tierschützerin erlaubt es nicht! Die Dame liebt ihre Tiere ja so sehr, wir sollten lieber Tiere retten, denen es schlecht geht!





Fernando zuckt spät abends die Schultern. Er war erst einmal dort und es hat ihm gereicht. Er will mit dieser Frau nicht mehr als das Nötigste zu tun haben. „Aber kastriert ist kastriert“ zwinkert er und behält recht. Vier Tiere waren trächtig und ich schwöre, dass von den Jungen nicht ein einziges überlebt hätte.
Wir liegen gut im Rennen. Nach dem vierten Tag sind 81 Hündinnen, 9 Rüden, 1 Kater und 2 Katzen operiert worden. Macht insgesamt 93 zuzüglich 7 anderer Operationen. Allerdings wird unser Equipment „dünner“ und wir „strecken“ wo wir nur können.
Während die Stunden gegen uns arbeiten, kommt Fernando mit einem Welpen auf dem Arm in den OP.
Die Zwerge spielten die letzten Tage wie ausgelassen im Hof und unterhielten selbst die großen Hunde. Wie der auf seinem Arm sich den Unterkiefer brechen konnte, wird sein Rätsel bleiben. Ich untersuche ihn und spüre das reibende Geräusch. Typisch für zwei Knochenenden, die unphysiologisch aneinander kratzen. Fernando zuckt die Schultern, was wohl „das war es dann“ heißen soll.

Welpe mit Unterkieferbruch
Der Blick von Ines trifft ihn hart.
„So ist es aber“ versucht er sich zu rechtfertigen, „wir haben für so was kein Geld“.

Eingeweihte kennen diesen Blick…
…nicht solange ich in der Nähe bin…
Da ist er wieder, dieser Augenblick, den ich hasse. Selbstverständlich kann man für ca. € 250,- eine ganze Menge anderer, lebensnotwendiger Maßnahmen treffen und damit weit mehr Leben retten, als gerade Mal das eines Welpen. Aber wer in die Augen eines Tieres schaut und wegen fehlender Möglichkeiten sein o.k. für die Todesspritze gibt… dafür sind wir die falschen! Ich sehe förmlich, wie Ines Gehirn arbeitet. Wir zermartern uns den Kopf, wo wir eine Bohrmaschine und dünnen Draht herbekommen. Fernandos Schränke helfen mit gähnender Leere. Während der Kleine auf Fernandos Arm mit dem Schwänzchen wedelt, ist zu mindestens zwei Tierärzten klar, dass der Zwerg am Leben bleibt. Fernando kann unseren Blicken nicht ganz folgen. Er kennt uns zu wenig.
Dann kommt uns eine Idee und wir fragen Fernando nach der Klinik, von der er meint, dass die Ärzte dort den Kiefer für € 250,- operieren könnten.
Ein Freund von ihm arbeitet da...
„Mensch Fernando, jetzt handel’ Deinen Freund mal ein bisschen runter“!
Fernando grinst nach dem Telefonat: „wir können ihn morgen hinbringen. Kosten: € 100,-!“
Beflügelt schaffen wir den Valongo-Rekord. Nachts um 1:00 Uhr haben wir 27 Hündinnen und vier Rüden und zwei Nabelbrüche operiert und erhöhen in der Gesamtwertung auf 124 Kastrationen. Zwei fehlen noch bis zu den gewünschten 126, von denen wir niemals dachten, dass wir das schaffen würden.
Im Rausch der Endorphine verzichten wir auf unseren freien Tag (es war eh klar!) und bestellen für den Nachmittag noch 15 Weibchen. Damit sind auch viele der privaten Pflegestellen von Fernando glücklich. Sie nehmen ihm immer wieder Hunde ab und versuchen sie zu vermitteln. Das Einschläfern ist in Valongo Vergangenheit.
Und um diese Idee in die portugiesische Welt hinaus zu rufen, hat Fernando einen Reporter der größten Zeitung des Landes eingeladen. Es erscheint einen Tag später eine komplette Seite über unsere Arbeit und als wäre das noch nicht ausreichend, werde ich als „Mann des Tages“ gewählt. Genug der Ehre.
Sehr löblich bewertet man diese Aktion des ETN , wird das Interesse eines großen deutschen Vereines an „Valongos“ Tierschutzarbeit doch im gleichen Zug von wärmendem Stolz begeleitet.
Angelockt von diesen Berichten meldet sich wie selbstverständlich auch noch das Fernsehen. Ein 10-minütiger Live-Bericht wird spät abends im Regionalfernsehen gesendet, den wir jedoch leider nicht gucken können.
Ein Radio Bericht rundet die Öffentlichkeitsarbeit ab.

Fernando steht routiniert Rede und Antwort
So wie wir langsam aufbrechen, verlässt uns gleichfalls die Rottweilerhündin. Sie wird von einem Mann adoptiert, der sie zum bewachen eines Industriegrundstückes haben möchte. Fernando kennt ihn sogar. Ausgesetzt – Aufgenommen – Kastriert – Vermittelt. Perfekt!

Alles wird eingetragen und die Daten des Besitzers erfasst. Selbstverständlich sind die vermittelten Tiere gechippt.

Unser Equipment konnten wir in einem apothekenähnlichen Laden notdürftig auffüllen, jetzt aber, als wir packen, gibt es nicht mehr viel zu packen. Die letzten Fläschchen und Pflaster schenken wir Fernando, denn er wird von Seiten der Gemeinde leider sehr kurz gehalten. Er verspricht uns aber, in Zukunft nur noch nach unserer Methode zu operieren.
Vielleicht kann der ETN ja ein bisschen helfen…?
Zwei Hunde von ihm begleiten uns auf unserer Zugfahrt nach Lissabon, um gegen Nachmittag den Flug nach Deutschland anzutreten. Jetzt erst merken wir, wie erschöpft wir sind, fühlen uns aber überglücklich, da Fernando mit der Gemeinde in Valongo eines der besten Tierschutzkonzepte verfolgt, die wir je kennen lernen durften.
Bedanken möchten wir uns natürlich ganz besonders bei Fernando, der mit seiner guten Laune gar nicht anders kann, als erfolgreich zu arbeiten.
Danke auch an seine Freundin Ana und die vielen anderen Tierfreunde, die uns tagsüber immer an den Vegetarischen-Pizza-Tropf hingen, damit wir ja nicht aufhören brauchten zu arbeiten. Die Einladung der Gemeinde, in der städtischen Kantine zu essen, konnten wir leider nur 3x wahrnehmen, da wir die Stunde Zeitverlust an den anderen Tagen nicht hinnehmen wollten. Es war trotzdem ungemein nett.
Und zu guter Letzt noch ein Wort des Dankes „rüber auf die Kapverdischen Inseln“, denn die Initiatorin der dortigen Kastrationseinsätze stellte den Kontakt zu Fernando her.
Der
ETN hat den Einsatz komplett finanziert und hat auch – ohne es bis jetzt zu wissen – die € 100,- für den Welpen mit seinem gebrochenen Unterkiefer bezahlt.

Ihre
Ines Leeuw & Thomas Busch
Portugal Zeitungsbericht
Klicken Sie auf das Photo, um die vergrößerte Ansicht zu sehen.

Projektfinanzierung: ETN
Diese Aktion wurde finanziert durch:
ETN - Europäischer Tier- und Naturschutz e.V.
Hof Huppenhardt
53804 Much
Tel: 02245/61900
Fax: 02245/619011
e-mail:
info(at)etn-bonn.de
Internet:
www.etn-bonn.de
VR2454, Amtsgericht Siegburg
Spendenkonto:
Europäischer Tier- und Naturschutz e.V.
Dresdner Bank Bonn
Kto: 0214243001
BLZ: 37080040
Stichwort: Ärztepool


