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15.11.2006

Am Morgen holen mich Thomas und Ines mit dem Taxi von meinem Hotel ab. Ihres ist noch ein wenig weiter von Ponta d’Agua entfernt als meines, und sie fahren auf ihrem Weg dahin bei mir vorbei.

Auf der gemeinsamen Fahrt in unsere „Klinik“ besprechen wir Verbesserungen im Arbeitsablauf, und Thomas kann mich dafür gewinnen, einen Bericht über den Einsatz zu verfassen. Mir graut zwar vor der vielen Arbeit, schreibe aber trotzdem – so wie jetzt – abends im Hotel daran.

Auch dieser Tag ist voll Arbeit, und langsam komme auch ich, der ich doch in den letzten zwei Jahren sehr wenig operiert habe, wieder in Schwung, und am Ende des Tages sind über 20 Tiere operiert.

Am Nachmittag stößt die kapverdische Tierärztin Dra. Maria de Faytma Santos von der Insel Sal zu uns, die die nächsten Tage bei uns mitarbeiten wird und in die ich viele Hoffnungen im Hinblick auf unsere zukünftige Arbeit setze. Dra. Fatyma ist sehr engagiert und tierlieb, eine Mischung, die ich bei den hiesigen, v.a. als AmtstierärztInnen arbeitenden TierärztInnen in all den Jahren bislang noch nicht gefunden habe.

 


Fatyma & ihr super süßer Sohn

Die letzten Operationen müssen wir bei Kerzenlicht beenden, da wieder einmal – wie so oft in den letzten Tagen – um ca. 19.00 der Strom ausgefallen ist und es um diese Zeit auf den äquatornahen kapverdischen Inseln schon stockdunkel ist.

Als Thomas und Ines nach acht Uhr abends nach Hause aufbrechen, geht ein sehr anstrengender Tag zu Ende – denke ich.

Während ich – noch immer bei Kerzenschein – hungrig, schmutzig und müde mein Operationsbesteck reinige, höre ich plötzlich lautes und aufgeregtes Reden am Eingang. Kurz darauf steht ein Mann mit seinem kleinwüchsigen schwarzen Hund vor mir: das linke Hinterbein und das rechte Vorderbein weisen tiefe, blutende und stark verschmutzte – wie mit Sand panierte – Wunden auf. Angeblich ist das Tier von einem Auto angefahren worden. Der kleine Hund ist in einem jämmerlichen Zustand.

Ich weiß nicht so recht, wo ich anfangen soll, denn es sind große Wunden, es herrschen grauenhafte Lichtverhältnisse, und natürlich habe ich bei Stromausfall kein steriles Operationsbesteck zur Verfügung. Wir legen das arme Tier in Narkose und reinigen die Wunden, so gut wir können – zuerst mit normalem Wasser und anschließend mit milden Desinfektionsmitteln. Danach gehe ich daran, die Wunden chirurgisch zu versorgen. An einer Stelle muss ich sogar eine Hauttransplantation durchführen. Als ich mit dem ersten Bein fertig bin, haben wir glücklicherweise plötzlich wieder Strom. Mit sehr warmem, dafür aber sterilem Operationsbesteck kann ich das zweite Bein in Angriff nehmen.

Es dauert bis nach elf Uhr abends, bis ich mit der Operation fertig bin. Wir alle sind zum Umfallen müde.
Ich hoffe, dass der arme kleine Hund mit seinen Verletzungen und der Infektion zurechtkommen wird…

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