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11. + 12.11.2006

Die nächsten zwei Tage dienen dazu, unser Material zu sichten und zu ordnen: chirurgisches Besteck, ein Autoklav, Nahtmaterial, Narkosemittel, Antibiotika, Operationshandschuhe, Abdecktücher, Nadeln, Spritzen, Medikamente.

Die ersten Tage werden wir mit diesen Resten des letzten Einsatzes auskommen müssen, denn unser neues Material hängt beim Zoll fest…

Unser neues Domizil ist sehr schön. Es besteht aus dem Erdgeschoß eines der größten Häuser des Vorortes Ponta d’Agua, das am Rande eines Abhanges steht – mit freiem Blick auf die Stadt und das dahinter liegende Meer. Hier werden wir unsere Arbeit fortsetzen.


Ausblick aus unserem neuen Domizil auf die Stadt Praia

Unsere Arbeit besteht darin, die vielen auf der Straße lebenden Hunde zu kastrieren und gegen Parasiten zu behandeln. Damit wirken wir der ungezügelten Vermehrung dieser Tiere und den durch sie auch auf den Menschen übertragenen – vor allem parasitären – Erkrankungen entgegen. Da, wo wir arbeiten, sind nicht nur die Tiere, sondern auch die Menschen gesünder, und darauf sind wir sehr stolz!

Hier in Ponta d’Agua treffe ich auch diejenigen, die in den nächsten Wochen mit mir arbeiten werden:
– die zwei jungen portugiesischen Tierärztinnen Inês und Ana, die das Projekt kennen lernen, viel praktische Erfahrung als Tierärztinnen sammeln, ihre ersten Operationen durchführen und als Dolmetscherinnen tätig sein werden,


Ana


Ines

– Henriette Wirtl, die von der Idee der „Bons Amigos“ wie sie selber sagt besessene Initiatorin des Vereines, die auch für diesen Einsatz wieder viel Vorarbeit und Organisation geleistet hat und uns jeden Tag mit Kaffee, Tee, frisch gewaschenen Tüchern für die Tiere und den neu aufgetretenen Problemen und Fragestellungen versorgen wird


Henriette Wirtl

– Dona Cesaltina, die Seele der permanenten Arbeit der „Bons Amigos“ auf den Kapverden, die das ganze Jahr über die Behandlungen gegen die Parasiten und auch die Versorgung von Notfällen durchführt (Die in ihrem Hauptberuf als Krankenschwester im Gesundheitsstützpunkt von Ponta d’Agua tätige Frau arbeitet in ihrer Freizeit für die Tiere und bringt neben Engagement und Verlässlichkeit auch jede Menge medizinische Erfahrung in ihre Tätigkeit für die Tiere ein. Außerdem wurde sie von mir in der Behandlung der wichtigsten Krankheiten der Hunde und Katzen geschult. Sie wird diesmal auch ihre ersten Kastrationen durchführen),


Cesaltina

– die HelferInnen Madueno, Gandi und Luzia, drei junge Leute aus Ponta d’Agua, die den Verein mit ihrer Arbeit unterstützen und so wie Dona Cesaltina ein wenig Geld damit verdienen


Luzia, Gandi, Madueno

– Dona Maria Olivia, die Hausbesitzerin, die mit ihrer Familie im oberen Stockwerk wohnt und uns jeden Tag zu Mittag bekochen wird.


Maria Olivia im weißen Hemd mit Gandi in der Küche

An diesen verschiedenen Positionen und Rollen in unserer Arbeit merkt man, dass die Arbeit des Vereines „Bons Amigos“ mittlerweile schon ziemlich konsolidiert ist. Ganz anders als in unserer Pionierphase arbeitet der Verein ganzjährig. Unabhängig von den – vor allem den Operationen gewidmeten - Einsätzen von TierärztInnen finden hier regelmäßige „Deparasitações“ (Deparasitierungen), Wundversorgungen und Notfallbehandlungen statt – dank Cesaltina, Madueno, Gandi und Luzia und dank der finanziellen Unterstützung dieser Arbeit durch unsere SpenderInnen. Mit den Spenden können wir Medikamente kaufen und diese nach Praia senden sowie eine kleine Aufwandsentschädigung bezahlen.
Ein bis zwei Mal im Jahr versuchen wir, im Rahmen eines Einsatzes alle neu hinzugekommenen Straßenhunde zu kastrieren – seit mittlerweile 1½ Jahren vor allem mit Unterstützung durch die großartige Arbeit von Ines Leeuw und Thomas Busch, die übermorgen ankommen werden.

Neben unseren Aufräumarbeiten erhalten wir viel Besuch alter Bekannter und führen die ersten Behandlungen erkrankter Tiere durch.
Am Nachmittag bricht Dona Cesaltina auf, um in einem Nachbarbezirk Hunde gegen Parasiten zu behandeln. Als sie abends zurückkehrt, sind über 50 Tiere von ihr behandelt worden.

Es ist heiß, stickig und staubig. Sogar für kapverdische Verhältnisse – und diese Inseln liegen nahe dem Äquator – ist dieser November zu heiß. Glücklicherweise weht immer wieder der wie eine Wohltat wirkende Wind über das Land.

 

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