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4.2.2012 : 23:44  - Schriftgröße:

Kapverden-Tagebuch Mai 2006

Als wir heute, nach einem 11 Stunden OP-Tag, unseren Arbeitsplatz verlassen, soll für diesen Tag aber noch nicht Schluss sein. Auf dem Heimweg gerate ich mit Ines aneinander, weil wir uns nicht einig werden, ob wir ein Taxi oder den Bus nehmen. Das Ergebnis: wir gehen zu Fuß. Damit fängt alles an, denn glauben Sie ernsthaft, dass zwei Tierschützer durch Praia laufen, ohne ein Tier zu finden?

Es ist Santiago (so heißt die Hauptinsel), der laut weinend am Bürgersteig sitzt. Genauer gesagt zwischen den Büschen am Bürgersteig einer viel befahrenen Straße. Aber Ines Ohren sind auf so etwas geeicht und stellen sich bei diesem Mauzen unverzüglich auf. „Hast Du das auch gehört?“

„Ne, höre nichts“ antworte ich immer noch verschnupft, den Heimweg zu Fuß bestreiten zu müssen. Aber wer glaubt, Ines gibt Ruhe, der befindet sich im Irrtum und schon ist sie unter dem Strauch verschwunden. Die kleine Katze ist auf der anderen Seite längst herausgelaufen, als Ines sich wieder aus dem Gebüsch pellt. Das Ganze hat eine Kapverdianerin beobachtet, die netter Weise herbei eilt, um zu helfen.

Santiago ist nämlich durch Ines Rettungsversuch in einem Rohbau verschwunden und sitzt in schwindelnder Höhe auf einem Kellerfenstersims. Hinter ihm geht es in die undurchdringliche Dunkelheit. Durch Lockrufe, die selbst mich wieder versöhnlich stimmen, gelingt es den beiden Frauen, Santiago auf die sicheren Arme von Ines zu befördern. Die Dame aus Praia hat zwar geholfen und sowohl Ines als auch ich sind von dieser Hilfe total begeistert, aber den Zwerg zu adoptieren, muss nun doch nicht sein. Damit laufen wir jetzt zu dritt nach Hause.

Eine Milchportion und ein paar Stücke Fisch lassen Santiago zwar aussehen wie ein Luftballon mit angeklebten Streichhölzern, aber sein wehleidiges Mauen verstummt zumindest. Am nächsten Morgen wird er im OP-Haus genauso adoptiert wie die anderen Kandidaten auch, die längere Zeit unsere Hilfe brauchen.

Santiago


Als wir am nächsten Morgen (wieder gut gelaunt) unseren Arbeitsplatz betreten wollen, ist das fast unmöglich. Dazu muss man wissen, dass sich neben dem OP-Haus der öffentliche Brunnen dieser Region befindet. Ein Zuleitungsrohr muss an diesem Morgen geplatzt sein, denn wir erkennen zwischen einem riesigen Menschenhaufen, das heraussprudelnde Nass.

Ein Eimer Wasser kostet 0,20 Cent und ist damit nicht gerade billig. An diesem Morgen regnet es „Freiwasser“, was ähnliche Auswirkungen hat, wie bei uns „Freibier“. Stellen Sie sich vor, es regnet bis auf drei Tage im Jahr nie und plötzlich kann man mit dem Wasser aasen und braucht es noch nicht einmal zu bezahlen. Bis zum Mittag hält der Spaß an und wir fühlen uns, als operierten wir neben einem Freibad.

          
Im Hintergrund das OP-Haus

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