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4.2.2012 : 23:44  - Schriftgröße:

Kapverden-Tagebuch Mai 2006

Nein, über zu wenig Arbeit können wir uns wirklich nicht beschweren. Und wenn dann auch noch Missgeschicke passieren...

Draußen auf dem Hof läuft eine frisch operierte Hündin an mir vorbei. In der Regel sind die Tiere nach der OP angeleint, diese offensichtlich nicht. Ich ignoriere ihr Abwandern, im guten Glauben, dass sie von einem der Helfer festgehalten und wieder zurück gebracht wird. Aber von wegen, kein Helfer ist in Sicht. Madame schlendert also geradewegs zum Ausgangstor.

Als ich mich von meiner Trägheit befreit habe, merkt dies auch die Hündin und verspürt gar keine Lust, sich von dem weißhäutigen Blonden anfassen zu lassen. Trotz eben erst erfolgter Operation verfällt sie in einen lockeren Trab, der zwar noch etwas schwankt, aber allemal schneller ist, als meiner. Sie verlässt das OP-Haus in Richtung Bergabhang und alle Versuche, sie zu stoppen, scheitern. Für die Menschen in dieser Region so etwas wie ein Formel Eins Rennen, nur ein bisschen langsamer. Zumindest gucken sie so.

Dann endlich gelingt es mir, das Tier zwischen einem Mauerspalt zweier Häuser „einzusperren“. Einem der mir inzwischen gefolgten Kinder deute ich an, von der anderen Seite den „Ausgang“ zu versperren. Der Hündin kommt die kurze Pause ebenfalls gelegen und so gelingt es mir, sie zu „umzingeln“. Nun sitzt sie in der Falle. Dies ist das eine, das andere ist aber die Frage, wie ich sie da raus bekomme. Inzwischen hat sich auch die halbe Region dieser Gegend hinter mir versammelt und bestaunt, wie ich mich durch die Häuserspalte zwänge. Wie glücklich ich bin, endlich die Stelle gefunden zu haben, die offensichtlich die heimische Toilette ersetzt. Auf Sandalen – versteht sich!

Nach zwei Versuchen habe ich die Hündin angeleint und auf den Arm genommen. Sie hat vor Aufregung ihren Schließmuskel nicht ganz unter Kontrolle gehabt, aber auf dieses bisschen kommt es jetzt auch nicht mehr an. Erst jetzt merke ich, wie ich aussehe und das ich mich vor der gesamten Slumregion wahrscheinlich zum absoluten Horst gemacht habe, aber das ist egal. Das Wichtigste, ist nämlich, dass ich die Hündin wieder habe und was noch viel wichtiger ist; ich kann endlich ihre Braunüle ziehen.

Dies ist der venöse Zugang zu ihrem Kreislauf während der OP und der bleibt so lange drin, bis wir sicher sein können, dass die Tiere auch richtig wach sind. Bleibt die Braunüle länger in der Vene, kann es passieren, dass sie von den aus der Narkose erwachten Tieren abgenagt wird und dann entsteht eine Blutung, die von alleine nicht gestillt wird. Dieser Gedanke ließ mich wie ein Irrer durch die Slumregion hinter der Hündin herjagen. Gott sein Dank ist mir Madueno gefolgt. Dies nehme ich aber jetzt erst wahr und bin glücklich, mich mit ihm beim Tragen abwechseln zu können.

Nach dieser schweißtreibenden Jagd hätte ich viel Geld für eine Dusche bezahlt, aber man  kann ja nicht alles haben…

 

Als ich wieder da bin untersucht Sandra gerade den Kopf eines Mädchens. Ihre Mutter hatte ihr wohl einen Schlag mit einem Stock verpasst, was dann doch etwas doll war. Sandra hatte die Wunde verarztet, weil die Mutter ihrerseits Angst vor dem Vater hatte. Dann wurden die Haare darüber gekämmt und alles war wieder in Ordnung. Die Wunde sieht aber gut aus.

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