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Kapverden-Tagebuch Mai 2006

Unsere Kastrationsliste kann sich sehen lassen. Von den über 100 Hundebesitzern, die ihr Tier gerne zur Kastration bringen wollten, sind bereits nach 3 Tagen 65 Hündinnen und 84 Tiere insgesamt kastriert worden.

Frau Wirtl scheint die glücklichste Person auf den Kapverden zu sein, denn sie hat extreme Geldnot, um solch ein Unterfangen überhaupt anlaufen zu lassen. Und wenn dann etwas schief laufen würde – nicht auszudenken.
Aber das Gegenteil ist der Fall, wir liegen voll auf Rekordkurs und sind insgeheim auch sehr glücklich. Die Gründe dafür habe ich Ihnen zu Anfang ausführlich geschildert.

Auch am vierten Tag hält die Glückssträhne weiter an. Der Bürgermeister der Nachbarinsel Sal, hat sich gemeldet. Er wurde durch Protestbriefe und der Drohung von Touristen, sich mit abscheulichen Bildern an die deutsche Presse zu wenden, „überzeugt“, eine Alternative zu den üblichen Vergiftungen zu finden. Und da Frau Wirtl seit langer Zeit schon um Gehör bittet, soll in unserer Zeit eine Vorführung unserer Kunst den letzten Kritiker auf Sal überzeugen. Ein genauer Termin steht aber noch nicht fest.

So operieren wir was das Zeug hält. Da es sich eingebürgert hat, dass ich die Anästhesie und die Vorbereitung für die Eingriffe übernommen habe, bleibt mir der Kontakt zu den Menschen und vor allem zur relativ frischen Luft erhalten. Der OP-Raum ist nämlich sehr heiß und stickig. Da halten es nur  Menschen aus, deren Kreislauf erst ab 30 Grad in Schwung kommt. Wir haben in dieser Jahreszeit Glück mit dem Wetter. Es weht die ganzen Tage ein frischer Wind, der zwar den OP nicht erreicht, aber immerhin das Arbeiten allgemein angenehm gestaltet.

Frau Wirtl lässt nachfragen, ob wir einem alten Hund, dem ältesten, den sie in diesem Viertel kennt, ein Auge herausnehmen können. Sie hat Angst wegen der Narkose. Wir nicht, denn in dem Zustand kann der arme Kerl nicht bleiben.

Also wählen wir eine schonende Narkose für alte Herren und stellen die Notfallmedikamente noch näher an das OP-Feld heran.

Auch hier gelingt der Eingriff und schon zwei Tage später ist alles abgeschwollen und sieht gut aus!


 Immer wieder werden die Operationen von unseren inzwischen nicht mehr wegzudenkenden Helfern begeleitet. Sie scheinen jeden Handgriff aufzusaugen und sind überglücklich, wenn sie auch mal Hand anlegen dürfen.

Ines mit Madueno

Sandra und Cesaltina

Ein paar Worte noch zu der afrikanischen Mannschaft, die uns zur Seite steht. Es sind lern – und arbeitswillige Menschen, wie wir sie sonst selten bei solchen Aktionen antreffen. Es ist auch für uns ein sehr angenehmes Arbeiten, wenn man sich auf die Handgriffe der Helfer verlassen kann. Ihr Umgang mit Tieren ist einmalig und kaum erkennen sie, dass einer von uns Hilfe braucht, sind sie unaufgefordert da um zu halten, zu spritzen, anzuleinen oder um unsere Therapievorschläge an die Besitzer weiterzugeben.

Dr. Nilson darf hier natürlich nicht unerwähnt bleiben!

Plötzlich wird uns eine Hündin gebracht, die einen schweren Autounfall hatte. Ihr Hinterbein ist sehr geschwollen. Die Knochen, so fühlen wir, stehen wild durcheinander. Sie hat aber noch Sensibilität in ihren Zehen, d.h. eine Nervenschädigung liegt nicht vor. Das andere Bein ist auch gebrochen. Hier wäre die Diskussion einer Euthansie durchaus zu vertreten, allerdings hat die Hündin einen Welpen, der ihrer Kiste nicht weichen will. Damit weicht er sämtliche realistischen Urteile in uns auf und unsere Gedanken kreisen.

Flug nach Deutschland – sehr kompliziert und teuer, hier operieren – geht nicht, amputieren – macht keinen Sinn ohne vorher geröntgt zu haben. Uns will irgendwie nichts einfallen. Da hat Frau Wirtl eine Idee. „Ich schicke die Mama mit dem nächsten Flieger nach Lissabon. Dort habe ich eine Bekannte, die die besten Kontakte zur Uni hat.“ Noch weiß Frau Wirtl nicht, dass mit dieser Idee die Arbeit von fast zwei ganzen Tagen sinnloser Bürokratie geboren ist, aber das einzige was zählt ist das Leben und das Schicksal dieser kleinen Hundefamilie. Wenige Tage später wird „Mama“ in Portugal operiert.

      
Aber es gibt auch reichlich andere Wehwehchen, die nicht nach Portugal geschickt werden müssen. Über eine Eintönigkeit können wir uns nicht beschweren.

ein riesiger Abszess wird gespalten

Hauttumor bei einem Boxer wird entfernt

Papillome

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