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4.2.2012 : 23:45  - Schriftgröße:

Kapverden-Tagebuch Mai 2006

Liebe Kapverdenfreunde oder Tierärztepool Interessierten, da ich die Flugzeit immer nutze, um meine Berichte zu schreiben, wurde ich eben unterbrochen, da die freundliche Stewardess das Essen servierte. Da wir immer als Extrawunsch „Vegetarisch“ bestellen, konnte ich ihren Worten kaum glauben, als sie sagte, dass bei Lufthansa bereits seit zwei Jahren immer vegetarisch serviert wird. Die Nachfrage sei sehr gestiegen. Um dies in die Worte der nachwachsenden Generation zu packen, bei der ich übrigens auch immer häufiger den Verzicht auf gehirnlosen Fleischkonsum feststelle: „Cool, ne“! 

Nun aber wieder zurück zu unserer Penisamputation. Halten Sie mich wegen des Exkurses in die kulinarischen Fortschritte einiger Fluggesellschaften nicht für pervers, aber als Tierarzt, der „rund um die Uhr im Blut steht“, ist Abhärtung die einzige Chance zu überleben!

OP geglückt, Ines blutverschmiert, aber glücklich!

 Und damit Sie meine Worte der Wichtigkeit von Kastrationen nicht als theoretisches Gerede empfinden möchte ich Sie kurz mit auf die Straße vor unserem OP-Haus nehmen. Straße ist das falsche Wort, die gibt es nämlich in unserem Slumviertel nicht, sondern nur „Wege“.
Ines und ich trauten unseren Augen nicht, als wir am zweiten Tag eine Hündin sahen, an die wir uns noch wage erinnern konnten. Ich suchte in den Bildern vom letzten Einsatz und tatsächlich. Die Hündin kam abgemagert auf den OP-Tisch und wurde kastriert und natürlich auch gegen Parasiten behandelt. Und schauen Sie selbst, wie gut sie aussieht. Nahezu dick!

 
Die Hündin vor ihrer Kastration im letzten Jahr.

Die gleiche Hündin kastriert und entwurmt einige Monate später

Noch nie, und glauben Sie mir bitte, da ich schon unzählige Kastrationsaktionen begleitet habe, noch nie ist eine Aktion in Europa so erfolgreich gewesen, wir hier mitten im Atlantik. Die Menschen haben seit unserer Abreise immer wieder gefragt, wann denn Tierärzte kommen, um ihr Tier kastrieren zu lassen. Sie geben Cesaltina ihre Telefonnummer und jetzt, wo wir da sind, braucht Cesaltina nur zum Telefon greifen, zurückzurufen und schon sind wieder 10 neue Hundebesitzer im „Wartezimmer“. Viele kommen auch ohne Anruf. Sie haben gehört...

Wie im letzten Jahr ist ständig für Nachschub gesorgt. Andere Operationen, die dringend gemacht werden müssen dauern oft länger und schon staut es sich unter freiem Himmel. Aber niemand ist böse, wenn er acht Stunden oder länger warten muss. Hat er was zu tun, bindet er den Hund an und kommt ihn später wieder abholen. Fantastisch!

Wir sind erst wenige Stunden hier, aber es ist, als wären wir nie weg gewesen.

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