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Kapverden-Tagebuch Mai 2006

Im Hof, unserem „Wartezimmer“ sieht es aus, als wären wir nie weg gewesen. Brechend voll.  Überall Kapverdianer mit ihren Hunden. Sie hörten, dass die weißen Ärzte kommen...

 

Das „Kennenlernen“ mit Sandra können wir auch während der OP „erledigen“, und schon liegt der erste Hund auf dem Tisch.

ein paar „Tricks“ von Ines und schon arbeit Sandra alleine

der "Wettkampf beginnt"

Eine portugiesische Kollegin ist ebenfalls anwesend. Gisella hat wenig operative Erfahrung, aber lange Zeit in Angola gearbeitet. Ihr Spezialgebiet sind Unterrichtsstunden mit Kindern, ein Job, der in diesen Ländern an Härte kaum zu überbieten ist. Herrlich, so unterschiedliche Menschen kennen lernen zu dürfen, denen das Wort „Alltag“ noch nie begegnet zu sein scheint.

Gisella schaut Ines auf die Finger


So ist die „Queen of kastration“, wie Ines hier charmanter Weise genannt wird, in ihrem Element und lässt die Fäden fliegen. Sandra erweist sich als schnelle und gute Schülerin und schon bald liefern sich die beiden Tierärztinnen einen harten Wettkampf, der am Ende der Kastrationsaktion einen neuen Rekord aufstellen wird. Es ist allerdings mehr ein Wettkampf gegen die Zeit. Ein Wettkampf, bei dem nach jeder Operation nur der Sieger „Hund“ im Vordergrund steht. Beziehungsweise die nicht mehr geborenen Welpen und die gesünderen Elterntiere.

Warum das so ist, zeige ich Ihnen mit einigen, fast pornografischen, Aufnahmen direkt vor unserer Unterkunft.

Die Gefahr in der die beiden Hunde sich vor, während und nach der Paarung befinden, ist ihnen in keiner Weise bewusst. Der Rüde bleibt nach dem Akt noch für einige Zeit (bis zu 45 Minuten!) in der Hündin stecken.

Damit Sie, liebe Leser, diese Gefahr erkennen, ein Weitwinkelfoto mit vorbeifahrendem Fahrzeugverkehr.

Aber es geht weiter. Klapperdürre Hündinnen suchen im Müll Nahrung. Sie sind kaum in der Lage, sich selbst zu ernähren, geschweige denn bis zu 10 und mehr!!! aussaugende Jungtiere.

Quälender Hunger!

und dann auch noch (aus-) saugende Welpen…

Und damit DAS:...

...nicht passiert, ist unsere Arbeit immer ein Wettkampf  gegen die Zeit und die Anzahl!

Ein toter Welpe im Müllsack.

Eben lebte er noch, aber wir können nichts mehr für ihn tun, als ihn zu erlösen. Kinder haben ihn im Müllcontainer gefunden, wo man den kleinen Kerl entsorgt hatte. Ihm war der Schädel eingeschlagen worden.

Aber das ist noch lange nicht alles, was die Paarung an Gefahren mit sich bringt. Unvorsichtiges Verhalten im Straßenverkehr, ausgelöst durch den Duft einer läufigen Hündin bringt immer wieder Kandidaten mit Knochenbrüchen auf unseren OP-Tisch.

Beckenbrüche, Prognose ungünstig

Vorderbeinbruch, Prognose günstiger

Aber auch diese Gefahren sind noch nicht der Weisheit letzter Schluss. Geschlechtskrankheiten werden durch den Geschlechtsakt übertragen. Das Stickersarkom, ein halb gut, halt bösartiger Tumor verändert sowohl weibliche, als auch männliche Geschlechtsorgane und zwingt uns zu komplizierten und aufwendigen Operationen mit anschließender Chemotherapie. Neun Tiere werden von uns von dieser Krankheit befreit, die Eingriffe dauern lange.

Stickersarkom in der Scheide einer Hündin

Stickersarkom am Penis eines Rüden.

Hier sind wir gezwungen, ein Stück des Penis zu amputieren. Kein leichtes Unterfangen, denn der Rüde besitzt einen Knochen in seinem Penis, den es zu kürzen gilt. Zwar sind wir inzwischen mit einer Knochensäge ausgerüstet, aber zur Penisamputation eignet sich dieses Werkzeug nicht. Also sterilisieren wir so gut wir können eine Krallenzange. Es klappt prima.

Die letzte Rettung; eine Krallenzange

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