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4.2.2012 : 23:57  - Schriftgröße:

Kapverden-Tagebuch Mai 2006

Ein Blick auf die Uhr zeigt uns, dass das nicht witzig werden wird. Wir haben bis zu unserem Rückflug noch zweieinhalb Stunden. Zwei der Hündinnen haben zu allem Überfluss noch Nabelbrüche und zwei Katzen sind trächtig. Es wird knapp. So sehr wir uns auch beeilen, die Uhr tickt. Schlamperei kommt allerdings bei stressigen Bedingungen nie in Frage, die Gesundheit und das Leben der Tiere haben immer Vorrang!

Henriette wird nervös. „Ich fahre schon mal zum Flughafen und checke die große Tasche ein“.
Uns reicht die Minimalausstattung, da nur noch eine Katze zu kastrieren ist. Ines macht den letzten Stich, schmeißt das blutverschmierte Besteck in eine Tüte und springt in das wartende Auto. Kein Händewaschen, keine Verabschiedung von den Besitzern, nur hoffentlich pünktlich zum Flieger. Wir schaffen es und haben Glück, dass das Handgepäck nicht durchleuchtet wird. Das ist bei Flügen auf den Kapverden so üblich. Keiner von uns hat sich Gedanken gemacht, wie wir dem Zollbeamten erklärt hätten, was es mit dem blutverschmierten Besteck auf sich hat.

Um die Tiere, die wir zum ersten Mal in unserer Geschichte haben wach werden lassen, ohne dass wir dabei sind, kümmert sich die Tierärztin. Sie bekam alle Eventualitäten erklärt, aber umsonst. Allen geht es bestens, hören wir nach der Landung in Praia. Die Besitzer der Tiere waren so beeindruckt, dass sie, sollte die Verwaltung der Insel einen Rückzieher von ihrer Zusage machen, die nächste Aktion mitfinanzieren werden, um Frau Wirtl ein kleines bisschen den Rücken frei zu halten.
Es ist inzwischen 17:00 Uhr geworden und wir rechnen mit einem letzten ruhigen Abend in Praia. Verrechnet. Kaum gelandet klingelt das Telefon von Frau Wirtl. Können wir noch schnell ein Bein amputieren?

Was bleibt uns anderes übrig, es gibt sonst niemanden auf Santiago, der das machen würde. Also wieder zum OP-Haus. Vergessen wir einfach den ruhigen Abend!

Es ist ein super süßer Welpe, der vor einer Woche bereits von uns verbunden wurde. Wir sagten dem Besitzer, er möge doch bitte jeden Tag zum Verbandswechsel kommen, was dieser völlig ignorierte. Wegen dieses Trottels muss der kleine Kerl jetzt sein Bein verlieren. Es ist zum Kotzen. Und da wir merken, dass unsere Geduld nach 12 Tagen harter Arbeit auch nicht mehr die beste ist, sind wir einfach sauer.

 

 

Ich möchte mich von Ihnen verabschieden, liebe Kapverden-Tierfreunde. Ich wünsche mir, dass sich durch diesen Bericht, die Wichtigkeit der medizinischen Arbeit eines Tierärztepools bei Ihnen eingeprägt hat.

Ich hoffe, dass Sie durch die Schilderungen, den (ich weiß: oft recht heftigen) Fotos und die damit immer einhergehende Verbesserung des Zustandes der Tiere, erkennen, dass der Tierschutz mehr sein kann, als Plakate zu bedrucken, sülzige Texte zu schreiben, theoretische Sitzungen abzuhalten oder mit Drückermethoden auf Mitgliederfang zu gehen.

Ich hoffe, dass mein Bericht keine graue Theorie für Sie war.
Ich hoffe, dass Sie die enorme Belastung ein wenig gespürt haben, die täglich auf unseren Schultern lag.
Ich hoffe, dass Frau Wirtls Projekt in Zukunft noch viele solche Einsätze zustande bringt.
Ich wünsche all unseren zwei und vierbeinigen Freunden in Praia eine bessere Zukunft und würde mich freuen, daran mitarbeiten zu dürfen.
Egal wie hart es ist!

Am 30.05.2006 verlassen wir in aller Frühe endgültig die Kapverdischen Inseln.

Bis bald!


Ihre Ines Leeuw & Thomas Busch

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