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Kapverden-Tagebuch Mai 2006

Praia, den 18.05.2006

 â€žIn diesen drei kleinen Kammern wohnen und schlafen 12 Personen“, erklärt mir Frau Wirtl. Meine Augen gewöhnen sich nur langsam an die Dunkelheit, aber dann erkenne ich in einem der Räume ein Bett, sozusagen ein kleines Doppelbett, einen winzigen Tisch und einen Kühlschrank. Ein Regal mit altem Kochgeschirr füllt den Raum gänzlich. Eine Toilette finde ich nirgends. Der winzige Hof, der durch die Anordnung der Räume und die Anlehnung an das Nachbarhaus, entsteht, ist überfüllt mit Müll. Was will man damit? Aber anscheinend kann hier alles noch gebraucht werden.

Ein anderer Raum bietet gerade mal Platz für ein Bett. Der letzte Raum hat zusätzlich so etwas wie eine Küchenzeile. Das Bett dort steht neben einem Bretterverschlag, durch den sich Sonnenstrahlen hineinwagen. Die draußen herrschende Hitze wird so ein bisschen abgehalten. „Gut, dass die Menschen hier keinen strengen Winter kennen, sonst würden die meisten am nächsten Morgen steif aufwachen“, denke ich so vor mich hin, als plötzlich ein Hund reinstürmt und schnurstracks auf Frau Wirtl fliegt.

Es ist Napoleon und schon habe ich verraten, wo genau ich mich befinde. Unsere Amputation hat er wunderbar überstanden, denn sein Leben hing vor einigen Monaten noch am seidigen Faden. Er durfte lange im OP-Haus wohnen, bis er sich entschied zu der Familie einer der angestellten Helfer von Frau Wirtl zu ziehen. Und da in einem Haus mit drei Zimmern und 12 Leuten ja noch reichlich Platz ist, teilt sich Napoleon den restlichen Boden mit zwei weiteren Hunden. Aber er sieht toll aus und seine Dreibeinigkeit stört ihn in keiner Weise.

Was für ein befriedigendes Gefühl, das Resultat unserer vergangenen, schweißtreibenden Arbeit in dieser Form wieder zu sehen!

Napoleon begrüßt Frau Wirtl

Erinnern Sie sich? In diesem Zustand brachte man uns Napoleon während unseres letzten Besuches.

 

Aber der Reihe nach:

Der Aufenthalt von Ines und mir im letzten Jahr auf den Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterKapverdischen Inseln, westlich von Afrika gelegen, muss wohl recht erfolgreich gewesen sein, denn seitdem versuchte die Organisatorin, Frau Wirtl, uns zu einem erneuten Kommen zu überreden. Unser Zeitplan ließ aber diesmal nur einen 12tägigen Aufenthalt zu, was nichts anderes bedeutete, als eine Erhöhung der Arbeitsfrequenz. Schließlich sollte unser Besuch sich auch lohnen.

Eine Kollegin aus England ist schon zwei Wochen vor uns in Praia gelandet und hat bis zu unserer Ankunft bereits 127 Rüden kastriert. Eine tolle Leistung von Sandra! Allerdings wagte sie sich an Hündinnen alleine nicht heran, bzw. bat um eine „Starthilfe“ von Ines. So wussten wir, was uns erwartet und stellten uns überwiegend auf die Operation von weiblichen Tieren ein. (diese OP ist weit schwieriger, als die Kastration eines Rüden und benötigt ausreichend chirurgische Erfahrung).

Auf dem Pick-Up eines befreundeten Taxifahrers rollen wir dem Haus entgegen, in dem wir im letzten Jahr wundervolle Menschen kennen lernen durften. Henriette Wirtl hatte uns am Flughafen willkommen geheißen, hier aber, im „OP-Haus“ wartet der Rest der Mannschaft auf uns. Alle sind da. Cesaltina, die Mutter der Truppe, Madueno, unser „Tätoman“ , Luzia, die inzwischen zusammen mit Gandy die Impfpässe ausfüllt und die Ordination bewältigt. Schön wieder hier zu sein. Ein bisschen haben wir Euch alle vermisst...

Cesaltina

Gandy

Lucia

Madueno mit Napoleon

Ein schwarzes Bündel fällt Ines in die Arme. Nilson, wie oft haben wir über dich gesprochen, du Racker. Die nächsten 12 Tage wird Nilson den OP-Raum kaum noch verlassen. Ines ist nämlich seine große Liebe! Und umgekehrt ist es mindestens genauso! Nilson hat sich an der Hand verletzt. Ab jetzt übernimmt Ines die Versorgung – ist doch klar!

Nilson

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