» Berichte & Tagebücher
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- 7: Kapverden - Juni 2010.
- 7.1: Hast du Lust auf die Kapverden zu fahren .
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- 10: Dominikanische Republik - Januar 2010.
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- 12: Rumänien - Juni 2009.
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Stichwort: Tierärztepool
Hast du Lust auf die Kapverden zu fahren...
Dr. João Araújo berichtet
Irgendwann fragte mich ein Freund: „Hast du Lust auf die Kapverden zu fahren und bei einem Tierschutzprojekt mitzuhelfen? Du musst nur hinfahren und 30 bis 40 Operationen pro Tag absolvieren.“ Ich sagte natürlich zu, fragte mich aber, wie jemand so viele Operationen an einem Tag schaffen kann. Bestand das Team etwa aus 10 Tierärzten oder mehr?
Im letzten Juni fuhr ich schließlich auf die Kapverden, auf die Insel Santiago, nach Praia Stadt. Der Name des Tierschutzprojektes lautet „Bons Amigos“, was „Gute Freunde“ auf Deutsch meint. Ich kann mir keinen besseren Namen für dieses Projekt vorstellen. „Bons Amigos“ kastrieren und entwurmen seit 10 Jahren streunende Hunde in Praia, mit der bedeutenden Verbesserung der Lebensqualität dieser Hunde sowie der Menschen von Praia, die sich diese Gegend mit den Tieren teilen. Ich denke, die Verbindung dieser beiden Aspekte ist eines der vielen Wunder diese Projektes.
Ich kam in Praia am 15. Juni an und Herwig, der Koordinator von „Bons Amigos“, erwartete mich am Flughafen. Schon im ersten Moment begriff ich, warum er diese Arbeit macht. Man kann ihm seinen Frieden und seine Freundlichkeit förmlich ansehen. Am gleichen Abend fingen wir an über meine Aufgaben der nächsten zwei Wochen zu sprechen. In Praia befand sich schon ein Team von drei Deutschen. Die zwei deutschen Tierärzte absolvierten alle Operationen und medizinischen Behandlungen der Tiere und eine junge Deutsche, die schon seit zwei Jahren in Santiago lebt, unterhielt den Kontakt zu den Leuten vor Ort. Dieses Team wurde vervollständigt von Leuten aus Praia, die das ganze Jahr über für das Projekt tätig sind, Leute, die Hunde einfangen und die schließlich unsere Behandlungen und Entwurmungen fortsetzen würden, nachdem wir die Insel verlassen hätten, Leute, die fast alles mit beinahe nichts machen.
An meinem zweiten Tag in Praia fuhr ich am Morgen mit Herwig zum Flughafen um einige Versorgungsgüter, verstaut zwischen Kleidung, abzuholen. Niemand kann sich vorstellen, wie viele Papiere wir unterzeichnen mussten, mit wie vielen Leuten wir sprechen und wie viel wir bezahlen mussten um diese Dinge, die uns und damit den Menschen vor Ort helfen würden, zu bekommen. Auf jeden Fall, wir bekamen die Sachen und fuhren zu der „Klinik“, dem Hauptquartier von „Bons Amigos“ in Ponta de Agua.
Ponta de Agua ist einer der ärmsten Bezirke von Praia. Die Häuser sind ärmlich errichtet, es gibt nur wenig Wasser, keine Kanalisation, teilweise keine Elektrizität und viele Gangs und Kinder, die sich sinnlos auf den Straßen herumtreiben. Kein Ort für Tourismus.
Als ich nun in der „Klinik“ ankam, stieß ich auf ungefähr 20 Hunde auf einem Flur von 4 Metern. All diese Tiere waren ruhig, keins von ihnen bellte und auch deren Halter waren still, nichts im Vergleich zu meinen Erfahrungen von daheim. Doch ehrlich gesagt, mein erster Eindruck war nicht der beste. Ich sah zwei Leute operieren und einen Mann, der die gesamte Anästhesie, das Entfernen der Katheder und die Medikamentengabe erledigte. Ihre Arbeit erschien mir wie eine gut geölte Maschine, deren reibungslosen Ablauf ich nur behindern würde. Ich fragte also, wo ich helfen sollte und der Deutsche antwortete mir: „Mach, was du willst. Wenn du willst, geh zum Strand.“ Nicht gerade die Antwort, die ich erwartet hatte. Herwig wies mich schließlich freundlich an, das OP Material zu reinigen. Ich tat es und bemühte mich dabei redlich, die Arbeit der anderen nicht zu stören. Gegen 7 Uhr abends war ich so müde vom Reinigen, vom Setzen der Katheder und vom Scheren der Hundehaare, dass ich, als ich auf meinem mir in der Klinik zur Verfügung gestellten Bett saß, sofort einschlief und erst am nächsten Morgen um 6 Uhr erwachte.
Am nächsten Tag wachte ich also früh auf, frühstückte wundervolle Früchte, über die diese Gegend verfügt und war um 9 Uhr startklar. Ines, Thomas und Jennifer trafen ein (nun kannte ich auch ihre Namen) und waren auch bereits fertig zum Arbeiten. Sie fragten mich, ob ich Kenntnisse von Operationen hätte und ich erklärte ihnen, dass ich über die Grundlagen verfügen würde. Okay, sagten sie, also kannst du uns beim Operieren helfen und am Ende wirst du über mehr als Grundkenntnisse verfügen. Und schon begann unsere „Fließbandarbeit“. Ich bekam die männlichen Tiere, Ines die weiblichen und Madueno (einer der „Vollzeitaktivisten“ von „Bons Amigos“) operierte beides. Thomas übernahm die komplette Anästhesie und alle weiteren medizinischen Behandlungen. Als wir gegen 1 Uhr mittags eine Pause einlegten, hatte ich wahrscheinlich um die drei Hunde oder mehr versorgt. Ich fragte Thomas: „Wie viele Tiere haben wir geschafft, etwa 10??“ „Nein“, antwortete er mir „um die 18!!“ Ich war verblüfft. Natürlich war ich am langsamsten, aber die Art, wie schnell die anderen ohne Komplikationen operierten, war unglaublich. Während des Mittagessens sprachen wir viel und lernten uns besser kennen. Thomas sagte mir, er sei nicht begeistert über die Arbeit mit Freiwilligen wie mir, weil die meisten von ihnen zum Lernen und nicht zum Helfen an diesen Aktionen teilnehmen würden. Dass ich zum Helfen gekommen war, denke ich, hat Thomas im Laufe der Zeit dann doch begriffen und deshalb hatten wir am Ende auch so eine gute Beziehung und eine tolle Zusammenarbeit.
Am Ende dieses Tages hatten wir 44 Operationen durchgeführt (35 davon Kastrationen) und ich fiel noch viel müder ins Bett als am Tag zuvor. Die folgenden Tage waren Wiederholungen jenes Tages, um die 30 Operationen täglich, fast alle davon Kastrationen, meist von Hündinnen. Ines arbeitete einfach perfekt. Thomas war nicht zu stoppen hinsichtlich all der übrigen anfallenden medizinischen Behandlungen und Jenny (die dritte Deutsche!) kümmerte sich unermüdlich um den Kontakt zu Einheimischen.
Die Arbeit kam fortwährend rein und wir arbeiteten und arbeiteten. Falls ich wirklich an Entspannung und Sonnenbäder auf den Kapverden gedacht hatte, ich hatte bereitwillig meine Meinung geändert. Dies hier war eine wichtige Aufgabe und jeder nahm seine Arbeit so ernst, wir mussten einfach weitermachen. Sicher hatten wir einige Verzögerungen und kleine Probleme, wie etwa einige Stromausfälle oder auch die begrenzte Menge an Nahtmaterial und anderen Dingen, von denen wir nicht das Geringste vergeuden durften. Nichts davon konnte uns stoppen. Wir operierten bei Kerzenlicht und schnitten das Fell mit der Schere, wenn es nötig war (glücklicherweise dauerte so ein Stromausfall nur einige Stunden).
Ein andere wunderbare Erfahrung (vielleicht die beste für mich) war der Kontakt zu anderen Menschen. Ich habe es genossen so vielen Menschen zu begegnen, von Madueno und Cesaltina zu Thomas, Ines und Jennifer. Es war schön, die Nähe und das Vertrauen wachsen zu sehen, während die Zeit verging. Wenn ich auch im ersten Moment nicht den besten Eindruck von Thomas und Ines wegen ihrer professionellen und geschäftigen Art hatte, am Ende bewunderte ich beide umso mehr und hoffe, dass sich unsere Wege irgendwann erneut kreuzen werden. Ich habe so viel von ihnen gelernt!!! (Danke) Und was soll ich über Cesaltina, Madueno und besonders über meine Zimmergenossen Alex, Zidane und Banana sagen? Für diese zwei Wochen waren sie meine Familie, und was für eine tolle Familie. Ich werde sie immer im Herzen tragen.
Es ist komisch; wenn ich versuche meine Erfahrungen in Praia einem Freund zu beschreiben, sage ich: “Ich war auf den Kapverden und wir haben 30 bis 40 Operationen pro Tag durchgeführt.“ Dann sagt er: “Schön. Und hattest du Zeit für Strand und Nachtleben?“
Wenn ich einem Tierarzt sage: “Ich war auf den Kapverden und wir haben 30 bis 40 Operationen pro Tag durchgeführt.“ Dann fragt er mich: “Wie viele wart ihr? 10??? 15???“ Wir waren 4 Tierärzte (Herwig flog bereits nach 2 Tagen zurück) aber ich denke, einige von ihnen konnten die Arbeit von 10 leisten.
Vor zwei Wochen bin ich nach Portugal zurückgekehrt (ich habe dir gesagt Tom, eine Woche für den Bericht ... entschuldige!) und meine Erfahrungen auf den Kapverden scheinen schon wieder weit weg zu sein. Der Regen auf den Straßen, kein Wasser zum Waschen oder Trinken, das Essen, das Haus ... alles hier ist so anders, so dass wir das, was wir dort erlebt haben, schnell vergessen. Das ist bedrückend, denn wenn wir dort sind, tun wir etwas, auch wenn es nicht ausreicht, sicherlich nicht genug ist, aber wir tun etwas. Und hier, die meiste Zeit tun wir nichts, und die Dinge, von denen wir gesagt haben, wir würden sie ändern, geraten so schnell in Vergessenheit.
Text: Dr. João Araújo



