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23.2.2012 : 6:21  - Schriftgröße:

Der lange Weg - vor und hinter uns -

Die Faszination über den Flug der Grau-, Saat-, oder Blässgänse in der Winterzeit lockt mich mit meiner Kamera hinaus in die kalten Temperaturen.

Die Flugformationen dieser Tiere, mit ihrer typischen "1" am Himmel, ihre unverkennbaren Rufe, das gleichmäßige Schlagen ihrer Flügel, welches an Ausdauer und Kraft nicht zu erschöpfen zu sein scheint, ist für mich an heimischen Naturschauspielen kaum zu überbieten.

Zusammen mit einem verspielten Sonnenuntergang legt sich mit dieser nahezu romantischen Atmosphäre unweigerlich und im wahrsten Sinne des Wortes, eine Gänsehaut über meinen Körper.

Während die Kamera ihren Dienst tut, hänge ich meinen Gedanken nach und überlege, was mich an diesen majestätischen Tieren so sehr fasziniert. Ist es die Unabhängigkeit gepaart mit unglaublichem Freiheitswillen? Ist es ihre Kondition, sich immer wieder auf lange Reisen zu begeben und trotz widrigster Umstände die Flügel zu spreizen, um zu dem nächsten, gemeinsamen Ziel aufzubrechen? Ihre Kraft, in nahezu unmöglichen Umgebungen zu überleben? Ist es ihre scheinbare Rastlosigkeit oder Ihr Zusammenhalt? Ihr Talent, ein Ziel niemals aus den Augen zu verlieren?

Vielleicht ist es von allem ein bisschen, vor allem aber das Wissen, dass sie noch einen weiten Weg vor sich haben und einen ebenso langen hinter sich.


Gedankenverloren senke ich die Kamera.

Plötzlich weiß ich, warum diese Künstler der Lüfte die Menschen so sehr faszinieren. In dem Flug der Wildgänse spiegelt sich ein Teil des eigenen Lebens.

Wenige Tage später betreten wir das Flugzeug. Ebenso majestätisch, wie vor kurzem die Wildgänse, steht der Airbus mit gespreizten Flügeln vor dem Rollfeld und trägt, ohne es wirklich zu spüren, 120 kg lebensrettendes medizinisches Material nach Afrika. Die Leute am "Check in" haben davon übrigens auch nichts gemerkt J.

Ein bisschen fühlen wir uns wie der kleine Däumling Nils Holgersson aus dem  Märchen von Selma Lagerlöf, der auf dem Rücken des Gänserich Martin, zu dem er eine tiefe Freundschaft aufbaut, ein Abenteuer nach dem anderen erlebt, und der am Ende, als der Gänserich geschlachtet werden soll, seine Scham über sein Wichteldasein besiegt und dazwischen tritt. In diesem Augenblick wird er wieder ein Mensch.

Kann man mit schöneren Gedanken ein Flugzeug betreten um eine Kastrationsaktion zu beginnen? Wohl kaum!

Außerdem wissen wir, dass in dem Moment, in dem wir das Flugzeug wieder verlassen, sommerliche Temperaturen auf uns warten und wir für 12 Tage der heimischen Eiseskälte ein Schnippchen geschlagen haben.

Unser Ziel sind, wie schon so oft zuvor, die Kapverdischen Inseln, aber diesmal nicht die Hauptinsel Santiago, sondern die etwas nördlicher gelegene und die vom Tourismus am meisten erschlossene Insel Sal.

Die Arbeit, der im vergangenen Jahr leider verstorbenen Henriette Wirtl, hat inzwischen dermaßen große Kreise gezogen, dass das Kastrationsprojekt in aller Munde ist. Eine Österreicherin, Monika Blokesch (Urlauberin auf Sal) erfuhr von dem Projekt auf Santiago und bat den Nachfolger von Henriette, Herrn Dr. Zach, die für sein Projekt arbeitenden Tierärzte des Tierärztepools, auch einmal nach Sal zu schicken.

Langer Rede kurzer Sinn: die beiden Tierärzte konnten Frau Monika Blokesch offensichtlich restlos begeistern und legten auf Sal, mit einer weiteren Kollegin und vielen freiwilligen Helfern, den Grundstein für ein Projekt, welches mit zu den besten in der Geschichte des Tierärztepools gehört.

Monika Blokesch im Gespräch mit Ines Leeuw

Warum ist das so?

- Die Kapverdischen Insel liegen weit außerhalb von Europa. Damit greifen die europäischen Gesetze nicht. Keine Zulassungsprobleme, keine Gebührenordnung, keine Tierärztekammern, die dem Tierschutz mehr Steine in den Weg legen, als ihn zu fördern.

- Kein typisch südeuropäisches Machogehabe, das die Kastration eines Rüden mit der übertriebenen Handbewegung an den eigenen Schritt kommentiert und den operativen Eingriff als nicht konform mit der Natur ansieht.

- Die Lebenseinstellung der Kapverdianer erscheint sehr gelassen und tritt dem Umgang mit Hunden tolerant entgegen. Das Leben spielt sich auf der Strasse ab und genau da leben auch die Hunde. Also begegnet man sich dort und spürt latent eine Gemeinsamkeit.

- Die bürokratische Obrigkeit akzeptiert die Hilfe aus Europa und ist stark genug, diese auch anzunehmen. Die arroganten Gedanken "Wir können das auch ohne euch!" existieren nicht.

- Die ortsansässige Tierärztin ist dankbar für jede Fortbildung / Lehrstunde und freut sich über eine Zusammenarbeit mit uns Tierärzten, deren Ergebnis sie künftig für ihre eigene Arbeit nutzen kann. Wir haben uns angefreundet.

- Auf den Kapverden gibt es keine Tierheime. Alle Hunde leben auf der Straße oder bei Besitzern. Ein Ausfliegen in andere Länder gibt es nicht. Somit lässt sich der Erfolg von Kastrationen wunderbar dokumentieren.

- Auf Sal gibt es einen Verein, der die Meeresschildkröten inklusive der Brutplätze schützt. Von der wundervollen Arbeit von Jacquie und Neal durften wir uns überzeugen und fanden in Zusammenarbeit mit diesem Projekt Menschen, die sich auf Sal bereits einen guten Namen erarbeitet haben und die damit viele Türen für uns öffnen konnten. http://capeverde.mydestinationinfo.com/de/turtle-sos-cabo-verde

Jacquie und ihr Mann Neal

- Keine vermeintlichen "Tierfreunde", die sich bis auf`s Blut bekämpfen und die "Tierschutzatmosphäre" (auch in den Amtsstuben) auf viele Jahre vergiftet haben.

- Sal ist die Hauptinsel des Tourismus. Wassersportler finden hier ideale Vorraussetzungen für ihren Sport. Touristen begrüßen in der Regel die Maßnahmen der humanen Reduzierung der Straßentierpopulation durch Kastrationen.

- auf Sal leben viele Auswanderer, die sich zum Teil sehr für den Tierschutz begeistern und einsetzen.

 - durch die wundervolle Arbeit der beiden Italienerinnen Nicky und ihrer Schwester Patricia konnten im Vorfeld Hotels gefunden werden, die Übernachtungen für das Team anboten.

Nicky und ihre Schwester Patricia

- Selbst eines der besten Häuser vor Ort, das RIU-Hotel mit 5 Sternen, offerierte dem Team freies Essen und Trinken. Dem Hotelmanager gebührt unser Dank, obwohl wir seine Großzügigkeit kaum nutzen konnten, da das Buffet gegen 21:30 Uhr geschlossen wurde L

- der Druck und die Verteilung von Flugblättern bereits Wochen zuvor sorgte für einen täglichen Ansturm von Menschen, die ihr privates Tier kastrieren lassen wollten, dem das Team, trotz teilweise 15-Stunden-Tagen, nicht gerecht werden konnte.

- Höhepunkt des Erfolges war der Besuch des Inselpräsidenten, der seine Labradorhündin von uns kastrieren ließ.

Wie geht es auf Sal weiter?

Dieser Einsatz wurde finanziell von einer Privatperson getragen. Leider sind die Mittel damit fürs erste erschöpft.

In 12 Tagen konnten 510 Tiere operiert werden. Schätzungen zufolge leben auf Sal zwischen 2000 – 5000 Straßentiere.

Um mit einem repräsentativen Ergebnis aufwarten zu können, bräuchte der Tierärztepool 2-3 Monate. In dieser Zeit kann mit einem Kastrationsergebnis von 80-90% aller auf Sal lebenden Hunde und Katzen gerechnet werden. Die Kosten liegen zwischen € 50.000,- und 100.000,-.

Unser Anliegen ist es, die Inselverwaltung dazu zu bewegen, einen Teil dieser Summe zur Verfügung zu stellen. Ernstgemeinte Diskussionen wurden bereits geführt und dauern an. Allerdings ließ die Verwaltung verlauten, dass sie die komplette Summe nicht aufbringen kann, aber zu jeder anderen Hilfe bereit ist.

Also suchen wir Spender, die an diesem sehr erfolgversprechenden Projekt mit beteiligt sein möchten.

Da sehr viele Menschen, die von dieser ersten Aktion begeistert waren, bei der Finanzierung zukünftiger Aktionen mithelfen werden und Sponsoren suchen, ist der nächste Kastrationseinsatz für Mitte des Jahres angesetzt. Wir würden uns sehr auf ein Wiedersehen freuen!!!!

Impressionen von Dr. Melanie Stehle (Tierärztin des Tierärztepools)

Kapverden Januar 2011

…wieder einmal komme ich von einem Kastrationseinsatz zurück und die gesammelten Eindrücke und Erfahrungen fesseln mich und ich habe das Bedürfnis, auch andere Menschen daran teilhaben zu lassen…

"Letzter Aufruf für die Passagiere des Fluges Lissabon nach Sal, Kapverden. Letzter Aufruf…". Weit und breit keine Ines und kein Thomas. Hätte ich doch vorsichtshalber nach Namen und Adressen der Organisatoren vor Ort gefragt, schießt es mir durch den Kopf. Dass die Anreise schon so spannend werden würde, hätte ich wahrlich nicht gedacht. Die Dame am Flugsteig schaut mich fragend an, und versteht nicht, wieso ich noch keine  Anstalten mache, ihr mein Ticket zu geben. Noch einmal kurz über die Schulter blickend sehe ich am Ende des Ganges  Ines und Thomas heraneilen und alle Sorgen sind verflogen. Ihre Maschine aus Hamburg hatte Verspätung...

Noch etwas müde vom nächtlichen Flug inspizierten wir am nächsten Morgen unsere "Klinik". Ein freundlicher, auf Sal lebender Italiener hatte uns ein leer stehendes Appartement zur Verfügung gestellt und es eignete sich optimal für unsere Mission. Unser internationales Team,  bestehend aus unzähligen Helfern, einem Anästhesisten und "Mädchen für alles" (Thomas) und zwei Chirurginnen (Ines und mir) traf an diesem Morgen das erste Mal zusammen. Ich war fasziniert wie alle Beteiligten sehr schnell Hand in Hand arbeiteten und trotz unterschiedlichster Temperamente alle das gleiche Ziel verfolgten: wir wollten in den nächsten 12 Tagen etwas erreichen – etwas ganz, ganz Großes, wovon die Menschen auf dieser Insel noch lange reden sollten!

Teamgeist ganz groß geschrieben

Ein Signal an die Obrigkeit senden, dass es außer Vergiftungen auch eine andere Möglichkeit gibt, die Straßentierproblematik nachhaltig zu verändern. Genauer betrachtet ist es die einzige ethisch vertretbare Lösung des Problems.

Umso mehr freute es uns, dass die Organisatoren vor Ort, Jacquie, Neal, Nicky und Patricia sehr viel Wert auf die Öffentlichkeitsarbeit legten. Vorab wurde diese, für die Tierbesitzer  kostenlose, Kastrationsaktion im Radio und Internet angekündigt und Flugblätter an alle Haushalte verteilt.  Fast täglich bekamen wir Besuch von Menschen, durch die wir eine Chance sehen, dass dieses Projekt langfristig am Leben erhalten werden kann. Beispielsweise kamen der Bürgermeister und die Mitarbeiter der Regierung zu Besuch, sie erkundigten sich nach unserer Arbeit, unterhielten sich mit Unterstützung unserer Dolmetscherin Susanne mit Thomas über dieses Projekt und die Wichtigkeit dessen, es fortzuführen.

Besuch des Bürgermeisters Mister Antero Alfama,   (v.l. Susanne, Nicky, Neal, Bürgermeister, Jacquie, Monika)

Er schaut mir bei der Kastration zu

Der Präsident Dr. Jorge Figueredo, besucht unsere "Klinik"

Er möchte, dass wir seine Hündin kastrieren. Das Los bestimmt Ines J

Bisher wurden die Kastrationseinsätze auf Sal rein privat von einer sehr tierlieben Österreicherin finanziert.  Eine Unterstützung von Seiten der Regierung wäre eine immense Erleichterung.

Neben Zeitungsreportern besuchten uns auch Lehrer- und Erzieherinnen mit ihren Schul- und Kindergartenkindern. Mit großen Augen schauten die Zwerge auf die schlafenden Hunde, lauschten aufmerksam Susannes Erklärungen und freuten sich riesig über kleine Stoffkuscheltiere, die die beiden Kinder von Thomas in Deutschland für die afrikanischen Gleichaltrigen gespendet hatten.

Thomas verteilt die Stofftiere

Susanne erklärt in perfektem Portugiesisch den Kindern unsere Arbeit

Wer ganz leise sein konnte, durfte auch auf dem Arm von Susanne oder Hannelore einen Blick über unsere Schultern wagen und bei einer wirklichen Operation zuschauen.

Vor dem Haus fand die Registrierung der Tiere statt. Jeder Besitzer wurde mit seinem Tier fotografiert, die wichtigsten Daten notiert und mit einem individuell gestalteten Halsband aus Fischernetz-Garn und einer fortlaufenden Nummer ausgestattet.

Jacquie und Neal bei der Registrierung.

Die Papiere füllten nach 12 Tagen dicke Ordner.

 Für die wartenden Menschen wurden vom Militär zwei Zelte aufgebaut - eine Geste, die uns sehr berührte und uns zeigte, dass unsere Arbeit auch von Seiten der Stadt wertgeschätzt wurde.

In dem großen Raum des Appartements fand die Operationsvorbereitung statt. Jeder zuvor mit einer Injektion sedierte Hund bekam einen Venenkatheter, alle für die Operation erforderlichen Medikamente und eine Rasur des Operationsbereiches, bevor er letztendlich zu Ines und mir in den Operationsraum gebracht wurde. Nach der Operation wurden die Tiere im Vorbereitungsraum weiterhin überwacht und zu guter Letzt gegen Ektoparasiten eingesprüht.

Zecken im Ohr eines Hundes

Viele dieser Hunde sehen in ihrem Leben häufig nur dieses eine Mal eine Tierärztin. Deshalb ist es uns ein großes Anliegen, dass sie sehr genau untersucht und am Ende des Tages neben der Kastration auch von Würmern, Flöhen, Zecken, Räudemilben und eventuell schmerzenden Zähnen, Tumoren, Leistenbrüchen usw. befreit werden. Dies ist auch der Grund, weshalb wir neben dem Hauptaufgabenbereich, der Kastration, auch zusätzlich 74 andere Operationen durchgeführt haben.

Sticker Sarkom (halb bös- halb gutartiger Tumor der Geschlechtsorgane)

Nach erfolgreicher OP wenige Tage später

Hier bleibt nur die Amputation

Blutige Angelegenheit

Fertig (ich auch!)

Schwere Hautirritationen. Den Grund finden wir nicht heraus.

Eine Woche später

Leistenbruch bei einem Rüden.

Jeden Morgen gingen  wir zu Fuß von unserer Unterkunft bis zur "Klinik", die nur ein paar hundert Meter auseinander lagen. Obwohl wir die meisten der hier ansässigen Straßenhunde gleich am ersten Tag kastrierten, schienen sie uns nicht mit etwas Schlechtem in Verbindung zu bringen. Im Gegenteil - sie begrüßten uns täglich euphorischer und marschierten jeden Morgen und jeden Abend mit uns mit und freuten sich riesig, "Freunde" gefunden zu haben. Schließlich hatten wir sie bei der Kastration auch mit unserer Tätowierung DF - es steht für "Dein Freund" - gekennzeichnet.

Eine Hündin tauften wir "Nike". Warum mir ausgerechnet Nike ans Herz wuchs, weiß kein Mensch. Sie war eine der ersten Kandidatinnen, die auf unserem OP-Tisch landete. Eine ausgemergelte Seele, deren Nachkommen augenscheinlich kräftig an ihr gesaugt hatten. Einen Tag brauchte Nike, um sich von der Kastration zu erholen, aber ab da stand sie jeden Morgen und jeden Abend vor unserem Haus und begleitete uns. Sie wusste sehr wohl, dass ich immer ein bisschen was zum Naschen für sie gesammelt hatte. Wir verliebten uns ineinander. Als unser Team an den letzten drei Tagen in einem anderen Ort operierte und uns ein Taxi abholte, brach für Nike die Welt zusammen. Wir fehlten ihr offensichtlich so sehr, dass sie hinter dem Taxi herlief – so schnell ihre Beine sie tragen konnten. In diesem Moment fasste ich zwei Entschlüsse: erstens versprach ich Nike, für sie, trotz schwierigster Ausreiseformalitäten, ein neues Zuhause in Deutschland zu finden und sie aus der Namenlosigkeit in etwas Wertvolles, Einzigartiges zu verwandeln. Zweitens, und das war mir trotz penetrantem Drängen von Thomas bis dahin noch nicht ganz klar, wollte ich diesen Namenlosen eine bessere Zukunft geben. Ich wollte als Tierärztin dem Tierärztepool angehören, meine, in dem letzten Jahr hart (Ines ist eine der besten, aber auch härtesten Lehrerinnen!) trainierten chirurgischen Fähigkeiten denen zur Verfügung stellen, die ansonsten niemanden haben! Ich wischte mir eine Träne aus den Augen und sah nur noch verschwommen den braunen kleinen Hund, der völlig erschöpft das Auto davonfahren lassen musste.

Das sind Nike und ich J

Bei diesem Bild bin ich emotional sehr angeschlagen

Wir operierten täglich von morgens bis abends ohne nennenswerte Pausen. Bevor eine Operation beendet wurde, wurde das nächste Tier bereits vorbereitet. Somit befanden sich die Operationen im fließenden Übergang und ein maximal perfekt abgestimmtes Zeitmanagement wurde erreicht. 

Immer wieder bin ich fasziniert von Ines Schnelligkeit und Geschicklichkeit. In ihren Handgriffen erkennt man ihre tausendfachen Erfahrungen, die täglich unter Beweis gestellt werden. Sie erkennt und meistert jede Gefahrensituation. An ihrer Seite lernen zu dürfen ist ein Lottogewinn.

Egal was kommt, Ines hat immer eine Lösung

Jeden Tag strömten die Menschen zu unserer "Klinik". Die meisten hatten sich zuvor einen Termin geben lassen. Viele kamen aber auch einfach unangemeldet vorbei. Immer wieder sah ich Kinder am Fenster vorbeigehen, einen Hund im Arm, den sie kaum tragen konnten, sichtlich stolz, ihr Fellbündel heute zur Operation bringen zu dürfen. Andere warteten geduldig Stunde um Stunde, um die Möglichkeit zu nutzen, ihr Tier kastrieren, entwurmen und entflohen zu lassen. Scharenweise standen die Kinder am Fenster und beobachten uns bei unserer Arbeit.

Jeder Tag brachte neue Herausforderungen mit sich. Viele Hündinnen waren läufig oder hatten erst in den letzten Tagen Welpen geworfen, so dass die Operationsbedingungen in vielen Fällen erschwert waren.  Immer wieder wurden uns Tiere mit zusätzlichen Problemen vorgestellt und wir erweiterten die Kastration mit anderen Operationen und befreiten sie von ihrem krankhaften Leiden.

Täglich versuchten wir, neue Rekorde zu erreichen. Wir operierten unermüdlich zwischen 40 und 60 Tiere am Tag, die meisten davon waren Hunde. Insgesamt absolvierten wir 510 Operationen, davon 436 Kastrationen. Zahlen, die nur zu erreichen waren, weil alle Beteiligten ihre maximale Kraft in diese Arbeit steckten:

... Monika, ohne ihre Hilfe wäre dieses Projekt nicht ins Leben gerufen worden. Sie stand stets den ärmsten und hilfsbedürftigsten Straßenhunden pflegend und Futter spendend zur Seite.

Monika

Ines, ihre uneingeschränkte Tierliebe und ihre unermüdliche Kraft und Ausdauer während der Operationen, um so vielen Tieren wie möglich ein schöneres Leben zu ermöglichen.

Ines

Thomas, der neben den Vorbereitungen der Tiere auch die Nachsorge im Blick hatte, der geduldig alles ausführte, was Ines und ich ihm auftrugen, und der neben der Anästhesie stets versuchte, die Stimmung aller Anwesenden zu erheitern.

Thomas

Hannelore, die spontan für ihre Freundin eingesprungen war und uns liebevoll mit überlebensnotwendigen Getränken und Essen versorgte und die immer mit einem Blick für das Wesentliche helfend zur Seite stand.

Hannelore

Susanne, unsere Dolmetscherin und ebenfalls gute Seele im Team, stets freundlich, diplomatisch  und äußerst hilfsbereit. 

Susanne

Jacquie und Neal, englische Auswanderer, die neben dem Schutz der Meeresschildkröten auch Hunde und Katzen in ihr Herz geschlossen haben und einen großen Teil zur perfekten Organisation vor Ort beigetragen haben.

Jacquie und Neal

Die temperamentvollen italienischen Schwestern Nicky und Patricia, die ebenfalls einen wesentlichen Anteil zur Organisation beitrugen und uns mit ihrer permanenten guten Laune und der weltbesten Pasta am Leben hielten.  

Nicky und ihre Schwester Patricia (beim Flechten eines Hundehalsbandes)

Und nicht zu vergessen die vielen freiwilligen Helfer, die stunden- und tageweise mitgeholfen haben… 

Linda

Die kapverdianischen Menschen faszinieren mich. Man sieht ihnen in die Augen, man lächelt und ich habe niemanden erlebt, der dieses Lächeln nicht erwidert. Diese Offenheit und auch der liebevolle Umgang mit ihren Tieren, auch wenn es "nur" die Tiere sind, die vor ihrem Haus auf der Straße leben, berührten mich und erwecken in mir den Wunsch, weiter für sie da zu sein.

Auch die grenzenlose Aufopferung der Auswanderer und Organisatoren vor Ort, die in wochenlanger Vorarbeit eine perfekte Organisation auf die Beine gestellt haben und die während des Einsatzes von früh bis nachts für alle spontanen Probleme eine Lösung fanden, haben eine Fortsetzung des Projektes verdient. Wir hoffen, dass dies im Juni dieses Jahres möglich ist.

Ich bin dabei und auch bei den vielen anderen wertvollen Einsätzen des Tierärztepools – ja, Thomas, Du hast gewonnen...

Ihre Melanie Stehle

Impressionen von Nicky, einer Helferin, die maßgeblich am gelingen dieser Kastrationsaktion beteiligt war.

Am 10. November 2010 starteten wir mit der Planung der Kampagne. Es folgte eine zwei–monatige Vorbereitung mit diversen Treffen, einem fortwährenden Informationsaustausch, einer wunderbaren Teamarbeit und schließlich einem großen Bedürfnis, Hunden und Katzen Gutes zu tun.

Diese pelzigen Geschöpfe mit struppigem Fell und tausenden von verschiedenen Farben und Ausdrücken, welche mit der Zeit zu so vielen niedlichen Gesichtern, nassen Nasen und wedelnden Schwänzen wurden.

Die Organisation dieser Kampagne kostete uns viel Zeit und Energie, aber schließlich entstand eine wundervolle Gruppe, in der Italiener, Engländer, Portugiesen und Kapverdier – und natürlich die Hunde und Katzen – eine brandneue Sprache erfanden, die jeder verstand. Werbung, das Verteilen von Informationen, Fotokopien, hunderte Plakate überall auf Sal, unzählige Flugblätter, tausende Gespräche, zahllose Ideen und eine Radioankündigung, dazu Zeitungsartikel und der kontinuierliche Dialog mit dem Gemeindehaus und dem Gesundheitsministerium und natürlich die CD von einem bekannten DJ und letztendlich das "Werbefahrzeug", das mit voll aufgedrehten Lautsprechern in der ganzen Gegend verkündete:

" … Kostenlos … kostenlos … kostenlos …"

… weiter mit dem Beschaffen der Tische, der Käfige für die beiden Standorte, mit den Militärzelten und den frühzeitigen Buchungen, mit dem Einkauf von Reinigungsmitteln, mit der Organisation der Mittagessen und den Hotelreservierungen, … und dann ging es endlich los mit den Tierärzten und all den Leuten, die ihre Tiere brachten. Unser Projekt wurde Realität.

Die vielen Hunde, weiß, ocker, braun, schwarz, gefleckt wie Kühe, kurzhaarig, langhaarig, ohne Fell, groß und mager oder kurzbeinig wie Dackel, Welpen, erwachsene Tiere und dazwischen zahlreiche bunte Katzen, angeschleppt auf jede erdenkliche Art und Weise: an den Beinen gepackt, in den verschiedensten Handtaschen, in Pappkartons, Jutetaschen oder auch einfach in T-Shirts gewickelt.

All diese Tiere, all diese Menschen, all die Geschichten … und diese 12 unglaublichen Tage.

436 Sterilisationen und insgesamt 510 Operationen. Hey, hey !!! 436 !!!!! 510 !!!!!

Die Mithilfe der Leute vor Ort  … alles war einfach riesig und das Ergebnis war sensationell.

Alles, alles verlief so positiv! Tausendfacher Dank an euch alle, an so viele Leute, die einfach nur helfen wollten, was für ein großartiges Geschenk!!!!! Danke. Danke euch allen.

Zuallererst ein ganz großes Dankeschön an Monika, die Österreicherin, deren Spendensammlung unsere Aktion erst ermöglichte. Monika, die mit zwei liebenswerten Freundinnen – Susanne und Hannelore – auf die Kapverden kam, um zu arbeiten, zu arbeiten und zu arbeiten. Ein Trio von unerschöpflicher Energie. Danke, dass ihr da wart, danke für all die Hilfe.

Danke an Thomas, Inès und Melanie, die unendlich viel gearbeitet und uns dabei gezeigt haben, dass sie wahrlich nicht nur ganz große Profis sind, sondern auch, dass Leidenschaft, Mitgefühl, Liebe und Fürsorge wirklich etwas bewegen können. Wir haben ein fantastisches Team empfangen – was sehr schön war – und wir verabschieden wunderbare Freunde – was noch viel schöner ist! Thomas, Inès und Melanie – ihr seid in unseren Herzen!!!!

Vielen Dank auch an die Vertreter der Behörden, die zugehört, unterstützt und geholfen haben mit einem großen Gemeinsinn und echtem Interesse. Danke an Herrn Antero Alfama und Herrn Euclides Gonçalves vom Rathaus. Danke an Doktor Ana Paula Dias Santos von der Gesundheitsbehörde und an den Befehlshaber der kapverdischen Armee.

Danke an unsere Tierärztin vor Ort, Frau Doktor Fatyma Santos und ihre Assistentin Anabela. Wir fingen mit der Räude-Behandlung auf der Straße vor meinem Büro an  … und seht, wie weit wir schon gekommen sind!!!!! Danke für die Hilfe, Assistenz und Anwesenheit.

Vielen Dank auch an unser großartiges Organisationstalent Jacquie Cozens, ohne sie, ohne ihre umfangreiche Erfahrung, Leidenschaft und Energie wäre unser (ihr) effektiver Organisationsapparat nie zustande gekommen.

Danke an Neal! Ein Mann, der organisieren, bauen, umbauen, gestalten, streunende Hunde einfangen kann und gleichzeitig eine super Krankenschwester … mmmh … ist. Bist du wirklich ein Mensch? ;-) Ein großes Dankeschön an Herrn Daniele, den Direktor des Farol, der so großzügig war, unseren drei wunderbaren Damen all–inclusive Unterkünfte zur Verfügung zu stellen. Danke auch an einen weiteren Herrn Daniele, den Vize Direktor des Riu Hotels, der für all die Abendessen unserer Tierärzte sorgte. Danke an das Belorizonte Hotel, das Dank der lieben Miss Simone Geld für Benzin und zwei Abendessen offerierte.

Sarah, Melissa und Holy, danke, ihr wart unsere Engel in so vielen Schulen, habt  wertvolle Informationen geliefert und die Kinder stets mit einem Lächeln unterrichtet.

Ein großes Dankeschön an unsere wundervollen Damen vom Mittagstisch, angeführt von Linda (maßgeblich für die Verpflegung verantwortlich und eine große Hilfe in so vielem), die uns jeden Tag mit köstlichem Essen versorgten! Danke an Linda, Yvonne, Cheryl, Liz, Carol und Patricia, die Spaghetti-Königin!

Danke an Marika, die jeden Morgen ihre Zeit opferte um Leute und Tiere zu transportieren, mit Menschen zu sprechen, zu erklären und zu übersetzen; danke an Filomena, die liebenswerte Italienerin, die Katzen liebt – und von ihnen geliebt wird!

Danke an Marta, gleichzeitig still und heiter, so gut im Gespräch mit Kindern und Erwachsenen! Danke an Sally, die viele Morgen ihrer Ferien für unsere Sache opferte, danke an Margot, die uns den Wert von Geduld lehrte und an Corinna, die stets lächelnd, in so vielen Sprachen sprechen kann!

Danke auch an Dada, der so viel für unsere Tierärzte und unser Damentrio getan hat und uns eine wirklich große Hilfe war, die Belegschaft beider Kliniken zu fahren.

Danke an Marco und Chetty, die uns beinahe kostenlos den Santa Maria Standort überlassen haben, an Francesco, unseren magischen MacGyver – sein amerikanischer Spitzname, jedoch Italiener durch und durch –, der uns mit zwei Stöcken und einem Klebeband einen Wolkenkratzer bauen kann!  Danke an Debora, das schönste Lächeln, das ich je gesehen habe, immer hilfsbereit auf jede Art und Weise; danke auch an Patty (Lozzi), die so viele Kontakte ermöglichte und immer sonntags und in den Mittagspausen bei uns war. Danke an Tamara, die mit Kindern und Erwachsenen, Hunden und Katzen sprechen kann, immer elegant, sogar noch bei einer Flohbehandlung eines Hundes.

Danke an Manuel, meinen tollen Nachbarn. Ein Mensch, der wirklich helfen will und dies auch mit großer Gelassenheit und einer bemerkenswerten Ruhe tat, selbst bei dem "Überfall" am ersten Tag, als bei der Tischreservierung 100 Leute gleichzeitig buchen wollten.

Ein ganz spezieller Dank geht an einen weiteren wunderbaren Menschen. Einer der Meilensteine dieses Projekts, so viele Ideen und Lösungen, kostenloser Taxifahrer, fabelhafte Köchin, Reinigungskraft und so viel mehr … Danke Patrizia!

Danke an Sergio und Gabry Onda Latina, danke an unsere Gastgeberin Madame Nelly in Palmera für ihre fantastischen Abendessen, an die liebe Milanca, an Fernando für all die Hilfe mit den Hunden, danke auch an Lara und Alle, Karen, Jeanette und Julio, an Samuele, an den jungen Elber Antonio, unseren großen "Jäger", an Sandra für ihre Großzügigkeit, an Herrn Adilson und Herrn Amilcar von der Polizei, an Katia Porto Antigo, an Miss Alice und an Aldina von Pippo und Mopsi …

Und danke an so viele mehr … ich muss und ich möchte so vielen Menschen danken und sicherlich habe ich hier nicht alle erwähnt, aber jeder von euch ist in meinem Herzen!!!

Und noch viel wichtiger, ihr alle habt die Liebe und die Dankbarkeit aller Hunde und Katzen, die dank eurer Hilfe das Geschenk einer zweiten Chance erhalten haben.

Tiere verstehen nichts?

In Europa ist jedes Tier unglücklich, wenn es eine Tierarztpraxis betritt. Es riecht die Schmerzen, den Stress und die Angst seiner Vorgänger … alles, was es will, ist einfach nur flüchten.

Zu unserer Klinik kehrten dagegen jeden Tag immer wieder zahlreiche Hunde zurück. Auf der Suche nach Nahrung? Sicher! Aber viele kamen regelmäßig auch wegen unserer Aufmerksamkeit, unseren Streicheleinheiten und unserer Nähe. Und natürlich auch, um Teil eines großen Happenings zu sein!!! :-)

Diese lächelnden Tiere (ja, Hunde können lächeln und Katzen ebenfalls – wenn sie wollen), die Fröhlichkeit, die wedelnden Schwänze, die leuchtenden Augen … das ist ihr Weg euch DANKE zu sagen.

Nicky

Ich hoffe, wir konnten Ihnen einen Eindruck von der Wichtigkeit der Kastrationen und der Arbeit des Tierärztepools vermitteln.

Es wurden in 12 Tagen 206 Hündinnen, 169 Rüden, 32 Katzen und 29 Kater kastriert. 74 andere Operationen waren notwendig um Tiere von ihrem Leid zu befreien. Diese teilten sich vornehmlich auf in: Nabelbrüche, Tumorentfernung, Verletzungen, Leistenbrüche und Zahnsanierungen. Ein Bein musste amputiert werden.

Ein Hund starb in der Narkose. Er hatte einen Unfall (?) erlitten und sein Auge war dabei zerstört worden. Als wir es herausnahmen, hörte sein Herz auf zu schlagen und trotz aller Maßnahmen konnten wir ihn nicht zurückholen.

91 Hundewelpen und 37 Katzenwelpen, die in den jeweiligen Gebärmüttern angebildet waren, wurden entfernt.

238 weibliche Tiere werden sich folgerichtig nicht mehr an der Vermehrung ihrer Art beteiligen. Gehen wir wieder von 10 Welpen aus, die im Durchschnitt von einem Weibchen pro Jahr zur Welt gebracht werden, so erblicken 2380 neue Welpen NICHT das Licht der Welt. Und alle Vierbeiner haben in Zukunft eine gute Chance, ihre Energie für sich selbst zu nutzen. Nike zeigte uns innerhalb von 12 Tagen, wie sie täglich dicker wurde und am Ende wie ein toller, gesunder Hund aussah.

Zu erwähnen sind an dieser Stelle auch die Behandlungen gegen Räude, einer Krankheit, die die Tiere sehr verkommen aussehen lässt. Sie verlieren ihr Haarkleid und die Haut wird schuppig und bei extremem Befall krustig. Alle Tiere wurden von uns behandelt, die ortsansässige Tierärztin wird die Behandlungen fortführen und es besteht eine gute Chance, diese Krankheit restlos von der Insel zu eliminieren.

Durch den guten Kontakt zu den Organisatoren auf Sal erfuhren wir nach unserer Abreise, dass es keinerlei Komplikationen gab. Gespräche über die Weiterführung des Projektes laufen auf Hochtouren.

Und damit sind wir am Ende unserer Reise angekommen und mir fallen die Wildgänse wieder ein, die einen langen Flug hinter sich haben, aber auch noch sehr viele vor sich.

Als sich wenige Stunden nach unserer Rückkehr über unserem Haus zwei Schwäne majestätisch in den Himmel erheben, halte ich inne und muss lächeln. Zufriedener kann man nicht sein, denn vor wenigen Tagen brach Nina (Tierärztin des Tierärztepools) nach Kreta auf, um dort mit einem Helfer ihr Bestes zu geben. Und selbst, wenn wir davon aufgrund der juristischen Lage in Griechenland nicht berichten, Sie können sicher sein: sie gibt es!!!

Ihr Thomas Busch 

 
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