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Kapverden-Tagebuch Teil 3:

Praia, den 23. August 2005

Immer wieder ist es faszinierend, die bunt gekleideten Afrikaner mit ihren Hunden auf uns warten zu sehen. Auch wenn sie mehrere Stunden in Kauf nehmen müssen, ehe ihr Hund an der Reihe ist, sie harren aus.

Unser erster Blick gilt dem Vergiftungskandidaten, der aber von Frau Wirtl bereits an die frische Luft versetzt wurde, damit er seine Heulattacken ausleben darf. Es ging ihm schon in der Nacht viel besser, so dass er unbedingt raus aus seinem Käfig wollte und dies jedem zu nachtschlafender Zeit erzählte, der es nicht hören wollte. Wir sind überglücklich und wieder höre ich in weiter Ferne Nena`s Lied " ... Wunder geschehen – ich hab`s gesehen ... "

Die Besitzerin, die bereits informiert ist, kommt herbei und wir sind sicher, dass dieses kleine Wunder noch viel, viel mehr Publikum in unser Open-Air-Wartezimmer kommen lässt.

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Die Operationen laufen gut – bisher keine Komplikationen.
Frau Wirtl erzählt uns, dass gestern in den Wassermassen zwei Menschen ertrunken sind.
 
Der Umgang der Einheimischen mit uns ausländischen Ärzten hält keinem Vergleich zu Süd-Europa stand, wo wir immer wieder gegen Machogehabe anreden müssen, um den Rüden dann doch nicht zur Kastration zu bekommen. Es ist ja gegen die Natur... Hier auf den Kapverden läuft das völlig anders und in einem Stil, den wir noch nirgendwo erleben konnten. Man bittet uns, das Tier zu kastrieren.

Und dann steht er plötzlich da. Mit verbundenem Hinterbein, dessen Verband eher an einen uralten Stofflappen erinnert. Der Hund ist fast schwarz. Und hübsch. Ein Rüde. Zuerst verhält er sich wie ein ganz normaler Hund, der sich aus irgendeinem Grund nicht hinsetzen kann. Dann sehen wir es. Sein Knochen ragt aus der fleischigen Wunde. Er hatte einen Unfall, der den Knochen aus der Wunde herausstehen ließ. Als dann noch Maden in die Wunde gelangten, hat der Besitzer das baumelnde Bein kurzerhand abgehackt. Obwohl Frau Wirtl diese Geschichte nicht glaubt, zieht sich bei uns der Magen zusammen. 

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Jetzt wird es ernster im OP. Wir werden den Stumpen amputieren, mit der Säge an meinem Taschenmesser. Es ist unsere zweite Operation mit dieser Technik. Aber ein „Hin und Her“ oder „Wenn und Aber“ gibt es nicht, es existiert im Umkreis von mehreren Tausenden Kilometern keine bessere Alternative.

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Wir wussten, auf was wir uns einlassen und jetzt heißt es Konzentration und durch. Ana, die portugiesische Kollegin assistiert Ines, die gekonnt die ersten Schnitte macht. Ich halte mich mit der, so gut es geht, sterilen Säge meines Messers bereit. Es ist ein sehr komisches Gefühl, einen noch lebenden Knochen zu zersägen, aber die Konzentration lässt solchen Gedanken nur wenig Raum. Und außerdem retten wir Leben.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen und kurze Zeit nach der Operation scheint unser Patient irgendwie erleichtert. Man könnte meinen, er hat uns nichts übel genommen.
21 Tiere kastrieren wir am heutigen Tag.

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