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Kapverden-Tagebuch Teil 14:

Praia, den 05. September 2005

Das Ende der erfolgreichsten Kastrationsaktion, die ich je geleitet habe, steht kurz bevor.
221 Tiere, fast ausschließlich Hunde, sind unfruchtbar gemacht worden. In 14 Tagen!!!
Unzählige Leiden konnten wir minimieren oder heilen und tausende Behandlungen wurden durchgeführt.

An dieser Stelle darf ich die unermüdliche Arbeit meiner Kollegin hervorheben, die die Operationen fast alle alleine durchführte. Ich habe mich mehr auf die Anästhesie konzentriert und versucht, alles zu koordinieren. Da ich mit der chirurgischen Geschwindigkeit von Ines nicht annähernd mithalten kann, habe ich im direkten Vergleich das Feld wegen fachlicher Inkompetenz gerne geräumt.
So ist die gewaltige Liste von Cesaltina abgearbeitet. Davon hätte zu Beginn niemand zu träumen gewagt. Aber die Kooperation mit der durchaus tierlieben Bevölkerung hat vieles vereinfacht.

Als Ines mit etwas hängenden Schultern aber einem kleinen Augenzwinkern nach oben kommt und sagt: „es sind nur zwölf heute, mehr sind nicht mehr da“, weiß ich, dass auch sie absolut glücklich ist.     

 
Heute haben wir übrigens zum zweiten Mal Mückenlarven in unserem Wasserreservoir gefunden. So werden wir die nächsten Tage nur noch sporadisch dem Tierschutz gewidmet. Wir werden telefonisch zu erreichen sein und entweder morgens oder abends eine Visite anbieten. Die Operationen sind damit beendet. Glaubte ich zumindest...

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Praia, den 06. September 2005

Gegen Mittag hatten wir Frau Wirtl versprochen, mit zu einem Treffen der Gemeinde im Gesundheitszentrum zu kommen, wo sie versuchen wird, dem Verantwortlichen für die Vergiftungsaktionen, Dr. Jose da Rosa die Vergiftungsaktionen auszureden und stattdessen die Kastrationsaktionen als DIE LÖSUNG vorzustellen. 

Frau Wirtl wird von der Professorin Conceicao Peleteiro,  aus Portugal begleitet, die sie schon länger kennt und die zufällig gerade auf den Kapverden Urlaub macht. Gerne kommt sie mit, denn sie möchte auch Ines und mich kennen lernen.
Nun sitzen wir also im Wartezimmer und lesen in den Broschüren gegen Cholera, Tetanus, Malaria...

Dann kommt eine Dame herein, deren Aufgabenbereich die Bestellung von Strychnin umfasst und erzählt uns völlig ungehemmt, dass 1 kg 460,- Euro kostet. So als bestelle sie ein Schulheft für ihre Kinder.

Tja, es seinen einfach zu viele Hunde und was sollen sie denn machen?
Das gleiche erzählt uns auch der Humanmediziner, der in seinem ordentlichen Büro der Stadt, gleichfalls für die Vergiftungskampagnen zuständig ist.
Frau Wirtl und wir geben unser Bestes, um ihn davon abzuhalten, wir wissen aber nicht wie die Entscheidung ausfallen wird. Er ist aber auf jeden Fall absolut begeistert von dem Projekt „bons amigos“ und war ja auch persönlich schon dort, um Ines auf die Finger zu schauen. Sie hat ihn sehr beeindruckt und er will Frau Wirtl in Zukunft auf jeden Fall helfen. Wenn zumindest durch das Radio die Bevölkerung vor dem Giftauslegen gewarnt werden würde, das eigene Tier in dieser Zeit nicht unbeaufsichtigt zu lassen und natürlich auch die Kinder zu schützen, dann haben wir immerhin ein bisschen was erreicht. Um endgültig die Giftaktionen zu beenden, stehen noch ca. 10.000 Kastrationen vor bons amigos...

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v.l. Dr. Jose da Rosa, H. Wirtl, I. Leeuw, Prof. Dr. Conceicao Peleteiro

Leider verlässt Ines die Kraft während des Gespräches. Sie übergibt sich im Gesundheitsamt! Da die Professorin Parasitologie an der Uni in Portugal unterrichtet, ist sie aber total neugierig und kann es nicht recht glauben, dass man durch einen 2-3 cm langen Schnitt, Eierstöcke UND Gebärmutter aus einem Hund herausoperieren kann. So versprechen wir, uns zu melden, wenn es Ines besser geht.

Vier Stunden später steht Ines, ein bisschen schwankend, im OP und ihr gegenüber eine sehr beeindruckte Professorin. Ob wir denn auch mal nach Portugal kommen könnten, oder ob wir Studenten von ihr auf Kreta ausbilden würden…

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Und da Ines für eine Hündin gar nicht erst anfängt, schon gar nicht wenn ihr speiübel ist, werden es insgesamt 225. Nun ist aber endgültig Schluss – dachten wir.

Gegen Ende des Tages lassen wir ein bisschen ausgelassene Stimmung aufkommen. Die Kinder, die uns während unserer Tage ganz schön ans Herz gewachsen sind, dürfen sich verkleiden und auch einmal in ihrem Leben Arzt sein.

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