» Berichte & Tagebücher
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- 12: Rumänien - Juni 2009.
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- 26: Kapverden August 2005.
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- 26.2: Teil 2 - Regentanz.
- 26.3: Teil 3 - Wunder.
- 26.4: Teil 4 - Jose.
- 26.5: Teil 5 - Essen.
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- 27: Fado.
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Stichwort: Tierärztepool
Kapverden-Tagebuch Teil 1
Hamburg, den 20. August 2005
Während die Stars dieser Welt mit ihren Live-Aid Konzerten versuchen, auf die Not in der dritten Welt aufmerksam zu machen, packen wir die Koffer und vor allem das Equipment, um auf den, von der übrigen Welt - so hat es fast den Anschein - vergessenen Kapverdischen Inseln, westlich von Afrika, sowohl Straßentieren, aber auch den Menschen das zu geben, was Nena eben noch inhaltslos durch die Sender schickte: " ... Wunder geschehen ..."
Wir, zwei deutsche Tierärzte, haben uns bereit erklärt, ein Projekt zu begleiten, was zusätzlich zu dem tiermedizinischen Aspekt auch gleichzeitig eine humanitäre Hilfestellung bietet.
Bereits am Flughafen in Hamburg beginnt das Abenteuer, indem wir versuchen 100 kg dringend benötigtes medizinisches Hilfsmaterial ohne große Kosten in den Flieger der Lufthansa bzw. der kapverdischen Airline zu bekommen. Dank des sehr netten Bodenpersonals gelingt dies und 15 Stunden später, verbunden mit langweiligen Zwischenlandungen, erreichen wir Praia, die Hauptstadt der Kapverdischen Inseln.
Wie wichtig das transportierte Hilfsmaterial ist, erfahren wir dort von der Organisatorin, Frau Henriette Wirtl, denn ihre, sicherheitshalber bereits vor Wochen von Österreich geschickten Spendenlieferungen hängen im Senegal fest und keiner weiß, wann sie hier ankommen. So gestattet uns unser Gepäck den Beginn einer, auch für uns zur Herausforderung gewordenen, Kastrationsaktion.

Die Organisatorin, Frau Henriette Wirtl
Endlich hat sich die Chance geboten, all den Tierschutzkritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, deren dümmliche Fragen "warum helft ihr nicht den Kindern dieser Erde" als Ausrede vor dem eigenen Nichtstun, immer wieder unsere Arbeit in Frage stellen.

Die Realität unseres Einsatzortes und vor allem die Armut der Menschen übertrifft unsere Vorstellung. Gott sei Dank sind wir erfahren und haben eigentlich schon überall gearbeitet. Auch die vorangegangenen Weltreisen in Drittländer helfen, mit dem was wir vorfinden, auszukommen.
Vorsichtsmaßnahmen, den eigenen Körper betreffend, sind bereits in Deutschland mit entsprechenden Impfungen begonnen worden und enden Vorort damit, dass zum Beispiel kein Leitungswasser den Mund berühren darf, dass nur geschältes Obst gegessen werden darf, nichts Ungekochtes, nichts Scharfes usw. Magenverstimmungen, die uns eine Woche lang außer Gefecht setzten könnten, können und wollen wir uns nicht leisten.

Praia, den 21. August 2005
Drei portugiesische Kollegen, Ana, Jose und Ricardo, sind extra wegen uns angereist, um unsere Operationstechnik zu erlernen.

Ricardo

Anna

Jose (mit Nilson)
Die drei wollen unseren ersten, gemeinsamen Tag damit beginnen, alles vorzubereiten und zu besprechen. „Das können wir auch während der OP“ entgegnen wir, mit dem Versuch, nicht arrogant zu wirken. Doch das Resultat kann sich sehen lassen. Neben der „Besprechung“ und der „Vorbereitung“ sind am ersten Abend 17 Hunde unfruchtbar gemacht worden. Leider haben die drei kaum chirurgische Erfahrung und die Geduld von Ines, meiner Kollegin, wird mal wieder extrem beansprucht.
Aber die drei sind nett und bereit, in den nächsten Wochen fleißig mitzuarbeiten.

Während der „Unterrichtsstunden“ nehme ich mir die Zeit und erkunde die nähere Umgebung.

Überall bittere Armut. Es gibt so gut wie keine Straßen. In dem gesamten Viertel nicht. Die Pfade bestehen aus Lehmboden, der zur Regenzeit zu einer glitschigen Masse wird. Die Menschen spielen, andere halten ihre Kinder auf dem Arm, wieder andere versuchen irgendwelches Obst, Zigaretten oder Dosen zu verkaufen. Eine Gruppe Jugendlicher spielt Fußball nach eigenen Regeln. Der Gestank ist unerträglich. Ich eile gierig jeder Wegbiegung entgegen, in der Hoffnung, der Wind haucht mir ein bisschen Frischluft unter die Nase.

In diesem Viertel kennt man Frau Wirtl und ihre „brancos“ – die Weißen.
Halbverhungerte Hunde schleichen ebenfalls wie ich, um die baufälligen Hütten. Sie versuchen aber nicht ihre Neugier zu stillen, sondern ihren immer wahrhaftigen Hunger.

Die Menschen ignorieren die Vierbeiner. Sie behandeln sie neutral, obwohl Frau Wirtl meint, dass auch sehr oft sehr brutal gegen sie vorgegangen wird.
Die Kinder sind Frau Wirtls Hoffnung, denn bei einer extrem hohen Arbeitslosenrate (70%) und dem Glück, zur Zeit der Schulferien hier zu sein, ist der Wunsch, in der Nähe der brancos zu sein, sehr hoch.

So ist es wie in einem Film; unser „Wartezimmer“ – der Vorhof des Hauses in dem wir arbeiten - ist jeden Tag brechend voll. Jeder möchte die Weißen sehen, schnappt sich einen Hund und wartet unter freiem Himmel. Es gibt auch sehr viele Menschen, die einen eigenen Hund besitzen und ihn gerne kastrieren lassen möchten.
Es existiert eine endlos lange Warteliste, die von Cesaltina, der guten Seele, abtelefoniert wird und mit dem Bringen mindestens einem zu operierenden Hund beantwortet wird. Ist eine weitere Behandlung nach der OP nötig, können wir sicher sein, dass unser Wunsch, den Hund morgen noch einmal vorgestellt zu bekommen, auch erfüllt wird.

Das "Wartezimmer" unter freiem Himmel
Je näher man sich am Äquator befindet, desto schneller wird es dunkel. Uns reicht das heutige Pensum, welches sich in den nächsten Tagen ja auch noch steigern soll.
Frau Wirtl schläft mit den portugiesischen Tierärzten auf einfachen Matratzen in dem Haus, in welchem operiert wird. Die OP-Tische werden an die Seite geschoben und die Matratzen ausgebreitet. Duschen ist schwierig. Hier in diesem Viertel gibt es wenig Haushalte mit fließendem Wasser.
Üblicherweise wird das Wasser von Frauen in riesigen 20 Liter Eimern von einem öffentlichen Brunnen, überaus geschickt auf dem Kopf balanciert, in den Vorraum zum OP getragen und in ein altes Fass gefüllt. Daraus entnehmen wir es mit einer Kanne und spülen zum Beispiel das blutige OP-Besteck ab. Immer auf der Hut, dass kein Tropfen davon in unseren Körper gelangt. So ähnlich waschen sich auch unsere Kollegen.

Das Wasser wird gebracht

Ricardo duscht Jose

Von einem öffentlichen Brunnen wird das Wasser geholt
Wir hingegen hatten gebeten, in einem Hotel wohnen zu dürfen, was zwar mit der Vorstellung eines Hotels nach europäischem Standard nicht viel Vergleichbares hat – außer dem Preis - aber wir schätzen die Dusche mit fast immer fließendem Wasser.



