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Dominikanische Republik - Januar 2010
Bericht über einen Kastrationseinsatz in der Dominikanischen Republik von Tierärztin Nina Schöllhorn

Karibik. Es dürften sich bei diesem Wort bei den meisten Menschen dieselben Bilder im Kopf abspielen: Palmen, weiße Sandstrände, blaues Meer- verbunden mit einem Gedanken: Entspannung pur. Dies ist in der Dominikanischen Republik natürlich auch geboten. Doch wer sich etwas abseits der Touristenmeilen bewegt, wird schnell auf andere Aspekte aufmerksam. Zum einen trifft man auf Menschen, die nicht unbedingt mit dem Luxus gesegnet sind, der für uns selbstverständlich ist. Man lernt viel mehr das einfache Leben kennen, Bescheidenheit, Zufriedenheit mit dem wenigen was man hat. Leider trifft man aber auch auf endloses Tierleid. Hunderte Hunde säumen die Straßen jedes Ortes. Wohin der Blick auch schweift- Hunde. Die meisten in weniger gutem Zustand, viele stark abgemagert und gezeichnet von Räude.
Dieser Anblick ließ die Gründer von Amigos de Lucky, Miriam und Andreas Busch, seit ihrem ersten Besuch auf der Insel keine Ruhe mehr. Jeder Urlaub dort glich eher einem Tierschutzeinsatz und die Gründung des eigenen Vereins war eine naheliegende Folge. Mit unermüdlichem persönlichem Einsatz setzen die beiden alles daran, die Situation aller Tiere in Las Terrenas und Umgebung zu verbessern. Von Anfang an stand für die beiden fest, dass Kastrationen der effektivste Weg zur Hilfe sind. Schon im Mai letzten Jahres hatten sie den Tierärztepool um Hilfe gebeten und Ines und Thomas hatten dort ganze Arbeit geleistet. Daraufhin war schnell klar, dass ein erneuter, größer angelegter Einsatz folgen sollte. Glücklicherweise konnte die Asociacion Amigos de Lucky die Condor Flugdienst GmbH als Sponsor gewinnen und so wurden all unsere Flüge, samt 130 kg Übergepäck für das medizinische Material, kostenlos zur Verfügung gestellt. Ines, Thomas und Roman sollten 6 Wochen auf der Insel arbeiten, ich nach 3 Wochen nachkommen. Ebenso war die ganze Zeit über Dipl. Biologe Siegfried Weisel vor Ort, der unsere Arbeit statistisch auswerten und die Hintergründe der Straßenhundproblematik genauer beleuchten wollte.
Vor Ort war alles bestens organisiert. Ein Raum in zentraler Lage war angemietet und ein Zelt davor aufgebaut, in dem wir sehr gute Operationsbedingungen vorfanden. Ein großes Team an Freiwilligen stand zur Verfügung, die in erster Linie zum Hundefangen eingesetzt wurden. Die Arbeitsatmosphäre war sehr angenehm und die Zusammenarbeit sehr gut. Es wurde auch an mehren Tagen in nahegelegenen Dörfern kastriert, in denen die Nachfrage ebenfalls sehr groß war.
In den insgesamt 28 Arbeitstagen konnten 710 Operationen durchgeführt werden, davon 645 Kastrationen ( 480 Hündinnen, 73 Rüden, 72 Katzen, 16 Kater, 4 Kaninchen) und 74 andere Operationen, wie Nabel- und Leistenbrüche, Augenentfernungen, Amputationen und Tumor- OPs. 7 Hunde mussten während der Aktion eingeschläfert werden, Grund dafür waren schwere Verletzungen nach Unfällen, unheilbare Fälle von Staupe oder Parvovirose, oder fortgeschrittenes tumoröses Geschehen. Drei Tiere wurden Opfer von Narkosezwischenfällen und konnten trotz aller Bemühungen unsererseits nicht ins Leben zurück geholt werden.
Die Tiere waren Privattiere und Straßentiere, die nach der Kastration wieder an ihren angestammten Platz zurückkamen. Gekennzeichnet wurden die Hunde mit Tätowierung am Bauch und Ohrclip, die Katzen mit Kerbe im Ohr. Der Schwerpunkt wurde bei dieser Aktion bewusst auf die weiblichen Tiere gesetzt, da die vorhandenen finanziellen, wie auch zeitlichen Mittel möglichst effektiv eingesetzt werden mussten. Das oberste Ziel war bei der wirklich enormen Anzahl von Hunden zunächst den endlosen Nachschub an Welpen zu stoppen. Dieses Ziel ist erreicht worden, denn ca. 80% der Hündinnen auf diesem Gebiet konnten kastriert werden.
Was bei dieser Aktion ganz besonders auffällig war, ist der folgende Aspekt: Es wird durch die Kastration nicht nur Nachwuchs verhindert, sondern ganz entschieden die Gesamtsituation des Einzeltieres verbessert. Die dominikanischen Hündinnen sind entweder läufig oder trächtig. Das bedeutet, dass sie während der Läufigkeit unter enormem Stress stehen, den vermutlich nur nachvollziehen kann, wer je eine läufige Straßenhündin beobachtet hat. Verfolgt und bedrängt von mehreren Rüden und das über Wochen, da bleibt kaum Zeit, sich um die sowieso schon mühsame Nahrungsbeschaffung zu kümmern. Während der Trächtigkeit werden ihrem Körper natürlich alle verfügbaren Energien entzogen, genauso wie in der anschließenden Säugezeit. Die logische Folge ist, dass diese Hündinnen völlig ausgezehrten, ausgemergelten Geschöpfen gleichen. Ähnlich ist die Situation der Rüden, die auf der Suche nach läufigen Hündinnen weite Distanzen zurücklegen und auch im ständigen Konkurrenzkampf mit anderen Rüden unnötige Energien verschwenden. Die Hunde, die beim letzten Einsatz kastriert wurden, sind daher auf den ersten Blick zu erkennen: Sie sind gut genährt, entspannt und spielen ausgelassen mit ihren Artgenossen. Ein wirklich schöner Anblick!
Hinzu kommt, dass die Hunde von ihren Hormonen gesteuert, häufig völlig kopflos über die Straßen laufen. Da dort sowieso schon chaotische Zustände herrschen, kommt es sehr häufig zu Verkehrsunfällen mit vielen sowohl tierischen als auch menschlichen Opfern. Ein Aspekt, der auch die weniger tierfreundlichen Bewohner interessiert. Beruhigt sich nach der Kastration die Situation der Hunde auf der Straße, dann wird auch die Zahl der Verkehrsunfälle zurückgehen. Eine Vermutung, die uns inzwischen schon aus Las Terrenas bestätigt worden ist. Ein großer Erfolg, der mit Sicherheit auch zur allgemeinen Akzeptanz der Kastrationsaktionen beiträgt.
Schön war auch, dass der zuständige Amtstierarzt die Aktion für gut hieß. Zweimal erschien er in unserem Operationszelt, um neugierig unsere Operationstechnik zu verfolgen. Er zeigte auch deutliches Interesse an weiteren Aktionen dieser Art.
So verließen wir die Insel mit dem guten Gefühl, die Situation auf den Straßen von Las Terrenas entscheidend zum Guten gewendet zu haben. Weitere Kastrationsaktionen werden in regelmäßigen Abständen folgen müssen, da sind sich alle einig. Einige Einzelschicksale werden uns in Erinnerung bleiben. Die meisten von ihnen konnten wir glücklicherweise zum Guten wenden. Auch sonst werden wir viele Eindrücke mit uns nehmen, die wir in keinem anderen Land so hätten sammeln können.
Ganz besonders eindrucksvoll und daher hervorzuheben ist aber der persönliche Einsatz von Miriam und Andreas Busch. Allein schon die finanzielle Belastung dieses Einsatzes liegt, bis auf kleinere Spenden, die zusammengetragen werden konnten, gänzlich auf ihren Schultern. Was sie darüberhinaus zusätzlich jeden Tag dieser sechs Wochen leisteten ist fast unglaublich. Ich bin mir aber sicher, der Anblick der vielen gelben Ohrclips, der sie in Zukunft ständig begleiten wird, wird sie für alles mehrfach entschädigen!
Danke Euch beiden im Namen aller „Eurer Hunde“!
Fotos von unserem Team, unseren Patienten und viele andere Eindrücke unter:
Fotogalerie Dominikanische Republik - Januar 2010

Bericht von Miriam Busch, Asociacion Amigos de Lucky
Liebe Tierfreunde, großzügige Spender und fleißige Helfer,
nach 6 Wochen Kastrations-Aktion und 2 Wochen Nacharbeit kommt nun endlich mein Bericht. Zuerst mal die Fakten:
- 645 Tiere kastriert (in 28 Tagen) – davon waren es 480 Hündinnen, 73 Rüden, 72 Katzen, 16 Kater, 4 Kaninchen – natürlich wurden alle diese Tiere auch gegen Parasiten behandelt
- 303 Abtreibungen
- 74 weitere Operationen wie Amputationen, Nabelbrüche, Augenentfernungen u.ä.
- 224 medizinische Behandlungen wie Beinbrüche, Räudebehandlungen, Magenprobleme etc.
- 17 Tiere konnten an neue Besitzer vermittelt werden
- 23 medizinische Scherköpfe zum Rasieren verbraucht – danke an die Firma Wahl GmbH für diese großzügige Spende
- 112 Waschmaschinenladungen mit Handtüchern, OP-Hemden usw.
- 2.078 gefahrene Kilometer
- 1 umgefallener Strommast, der unser Auto demoliert hat
- 13 Tage tropischer, sintflutartiger Dauerregen – was die Hundesuche und das Arbeiten deutlich erschwert und uns sehr deprimiert hat
- 4 Unfälle mit Personenschäden pro Woche in Las Terrenas, verursacht durch Hunde (vor der Kastrations-Aktion) – nach der Aktion: KEIN Unfall mehr!!!!
- 21.121,66 Euro Kosten insgesamt
- 6.114,73 Euro eingegangene Spenden
Grund zum Jubeln gab es beim Abschiedsfest mit einigen der fleißigen Helfer auf unserem “Klinik-Gelände” in Las Terrenas – danach ging es für einen Tag nach La Yagua, wo wir noch weitere Tiere kastriert haben.
Eine so erfolgreiche Aktion schaffen nicht viele Organisationen – schon gar nicht ein so winziger Verein, wie wir einer sind – das war auch die Meinung der Tierärzte vom Tierärztepool. Und die haben immerhin über 10 Jahre Erfahrung auf diesem Gebiet!!! Für die lang anhaltenden Erfolge, die wir damit erzielt haben, sind die Kosten der Kastrationen eigentlich sehr gering, wenn man als Vergleich die Unterhaltskosten für ein Tierheim nimmt – und ist es nicht viel schöner wenn die Tiere, wie hier, in Freiheit leben können, statt ihr Dasein hinter Gittern fristen zu müssen?
Freiheit bedeutet auch, dass man sich seine Freunde selbst aussuchen kann...
So weit die Fakten und nüchternen Zahlen – unsere tagtägliche Arbeit (meist ein 17-Stunden-Tag), die ganzen positiven wie auch vereinzelt negativen Erfahrungen und all die Emotionen zu beschreiben, wird weitaus schwieriger (und sehr lang)... Bitte nehmt Euch trotzdem die Zeit, diesen Bericht bis zum Schluss zu lesen.
Oft haben wir in den vergangenen sechs Jahren gedacht, wir würden gegen Windmühlen kämpfen – wie oft haben wir den Dominikanern versucht zu vermitteln, wie sie ihr Tier artgerecht und liebevoll halten sollen, und wie oft hatten wir das Gefühl, unsere Ratschläge prallen ungehört an ihnen ab... Doch die Aktion hat uns gezeigt, wie viel sich doch in diesen Jahren schon verändert hat. Nicht nur, dass die Dominikaner sehr zahlreich ihre Tiere in unsere Klinik gebracht haben, wenn ich jetzt durch Las Terrenas fahre, werde ich immer wieder gefragt wann die nächsten Kastrationen stattfinden - oder die Leute bedanken sich und zeigen mir stolz ihre kastrierten Hündinnen, die nun um so vieles besser aussehen.
Suriel mit Billy und seinen anderen Hunden
Suriel ist ein relativ reicher Dominikaner. Vor Jahren rief er mich eines Tages zu sich, weil seine Hunde (von Schäferhund bis Zwerg-Pinscher) krank waren. Als ich die Haltung der Hunde sah, wurde ich fuchsteufelswild... Alle Hunde waren in völlig verdreckten Drahtkäfigen oder winzigen Zwingern eingesperrt, ohne Wasser, und sie waren in einem erbärmlichen Zustand. Daraufhin habe ich Suriel die Freundschaft gekündigt und ihm gesagt, wenn er diesen Zustand nicht ändert, bräuchte er nie mehr zu mir kommen, wenn es um seine Tiere geht.
Suriel kam dann, während unserer Aktion, mit seinem Schäferhund Billy in unsere Klinik. Billy hatte einen schweren Leistenbruch und wäre ohne Operation wenige Tage später wahrscheinlich gestorben. Da Billy recht alt war und auch sein Herz nicht im besten Zustand, barg die OP ein hohes Risiko. Suriel wollte dieses Risiko für seinen Hund aber unbedingt eingehen, und so wurde Billy von Ines operiert (und auch gleich kastriert).
Als wir am nächsten Tag gemeinsam zu Suriels Haus fuhren, traute ich meinen Augen kaum – die Zwinger und Käfige waren verschwunden, alle Hunde liefen frei umher und sahen gepflegt aus. Billy hatte ein Bett (samt Kopfkissen!!!) bekommen, auf dem er sich nach der OP erholen konnte, Suriel ging sehr liebevoll mit seinen Hunden um, und es gab Wasser- und Futterschüsseln. Diese 180-Grad-Wendung ist mir sehr ans Herz gegangen – zeigte sie doch, dass all unsere Bemühungen über die ganzen Jahre nicht umsonst waren und sich wirklich etwas zum Wohl der Tiere verändert hat.
Humpi
Unsere französische Freundin Tamalu war während der Aktion emsig unterwegs, um Hunde in die Klinik zu bringen. So kam sie eines Tages auch mit einer kleinen jungen Straßenhündin an, die kastriert wurde und die Tamalu anschließend wieder zurückbrachte. Zehn Tage später, bei strömenden Regen, kamen zwei dominikanische Motoconcho-Fahrer (Moped-Taxis) in die Klinik – die kleine Hündin wurde von einem großen Jeep angefahren und einfach auf der Straße liegen gelassen. Der eine Motoconcho sah dies, riss sein T-Shirt entzwei, um einen behelfsmäßigen Verband zu schaffen, schnappte sich einen Kollegen und brachte uns den Hund. Seine Worte: “Die Kleine hat doch eine Ohrmarke, also habt ihr sie schon kastriert – rettet ihr bitte nochmals ihr kleines Leben!” zeigen, dass die Bevölkerung unsere Arbeit verstanden hat. Und mal ehrlich, wer reißt schon sein T-Shirt entzwei, um einem Straßenhund zu helfen – dass lässt mir noch immer die Tränen in die Augen steigen...
Humpi wird seitdem bei uns gesund gepflegt, und auch für sie haben wir ein neues Zuhause gefunden, in das wir sie in ein paar Tagen entlassen können.
Flusshund Salomon
Salomon kennt Ihr ja schon aus meinem ersten Rundschreiben. Er hatte sehr schlimme Räude und wurde erfolgreich von uns behandelt. Leider verschlechterte sich seine Haut wieder, während wir in Deutschland waren und in der Vorbereitungsphase für die Aktion nicht dazu kamen, ihn weiter zu pflegen. Zusätzlich gab es oft Beißereien mit den anderen Rüden vom Fluss. So wurden er und ein anderer Rüde kastriert und wieder gegen die Räude behandelt. Irgendwie besteht zwischen Salomon und mir eine große Zuneigung, und wenn ich ihn jetzt einmal wöchentlich medizinisch versorge, wird geschmust, was das Zeug hält... Seine Besitzer sind nun so stolz auf ihn, erstens weil die “Gringa” (also ich) ihren Hund so toll findet und zweitens, weil er mit dem neuen Fell so schön geworden ist. Dieser Stolz ist die beste Versicherung für einen Hund, denn so wird er gut gefüttert und ist davor bewahrt, ausgesetzt oder geschlagen zu werden.
Die Hunde und Katzen von Agua Sabrosa
Für einen Tag kamen wir mit Krankenwagen und OP-Zelt in das Dörfchen Agua Sabrosa. Eine Freundin hatte uns erzählt, dass sich die Dominikaner dort sehr freuen würden, wenn wir zum Kastrieren kommen könnten, da dort niemand die Möglichkeit hätte, die Tiere bis nach Las Terrenas zu bringen. Und in der Tat – viele brachten ihre Hunde und Katzen zu dem vereinbarten Treffpunkt, als “Leinen” wurde vom Strick bis hin zum Handyladekabel alles verwendet...
Nach anfänglichem Chaos verstanden die Menschen sehr schnell, je ruhiger sie warten, umso mehr Tiere können wir an diesem Tag kastrieren. So arbeitet Ines und Nina am OP-Tisch im Akkord, und wir konnten an diesem Tag 44 Tiere kastrieren – der letzte OP-Schnitt wurde von Nina im Taschenlampenlicht genäht... Uns allen hat dieser Tag besonders gefallen, denn die Leute haben sich sehr bemüht, mit uns zusammen zu arbeiten, sind den Anweisungen gefolgt, haben für uns ein leckeres Mittagessen gekocht und waren sehr dankbar...
Flaco I und Flaco II
Manchmal kommen dann auch Tage, an denen man völlig verzweifelt. Tamalu brachte uns zwei Rüden, die von ihren jeweiligen Besitzern an der Kette gehalten wurden – ohne Futter und Wasser. Ein paar Tage länger, und diese armen Geschöpfe wären einen qualvollen Hungertod gestorben...
Beide wurden stündlich und mit kleinen Portionen wieder an Nahrung gewöhnt. Sie zu füttern war eine Sache, aber wie sollte man es verantworten sie den Besitzern zurück zu geben bzw. sie einfach auf die Straße auszusetzen??? So mussten wir neue und liebevolle Zuhause für die beiden finden, was uns auch erfolgreich gelungen ist. Beiden geht es jetzt wunderbar und von “flaco” (dünn) kann nicht mehr die Rede sein :-))
Der Beinbruchrüde vom Fluss
Beim Einsammeln diverser Flusshunde wurde ich von einer Frau angesprochen, die mich bat, ihren Rüden zu begutachten. Er wurde vor 6 Monaten angefahren, und sie war mit ihm beim hiesigen “Tierarzt”. Nach einer für sie fast unerschwinglichen Operation (sie musste das Geld in Raten abbezahlen), befand sie den Zustand ihres Hundes aber keineswegs als gut. Dies war auch nicht verwunderlich, denn anstatt den unkomplizierten Bruch einfach mit einem fixierenden Verband für einige Zeit ruhig zu stellen, wurde eine 12 cm lange Metallschiene eingesetzt und Draht durch den Knochen gebohrt, denn daran kann man schließlich mehr Geld verdienen... Da diese OP aber so schlecht durchgeführt war, hatte sich der Knochen entzündet, die Schiene ragte aus dem offenen Bein heraus, der Bruch war natürlich nicht verheilt, und der arme Hund litt höllische Schmerzen...
Nachdem Ines das Material entfernt hatte, war sie sich trotz allem nicht sicher, ob das Bein zu retten sei. Alle zwei Tage holten wir den Patienten ab, brachten ihn in die Klinik, um ihn medizinisch zu versorgen und den Verband zu wechseln. Jetzt, 6 Wochen später geht es ihm prima und er fängt an, sein Bein, welches er so lange nicht mehr gebrauchen konnte, wieder zu belasten und auf allen Vieren zu laufen. Zusätzlich ist auch er uns ein guter Freund geworden und neulich spielte er mit Salomon gemeinsam am Flussufer...
Finchen
Thomas fand auf der Straße eine kleine Hündin die nicht nur kastriert werden musste, sondern die auch einen Beinbruch hatte und zusätzlich noch eine völlig verschobene Hüfte – beides bestimmt durch einen Unfall verursacht, der leider schon etwas länger her war. So konnten wir nichts anderes machen, als das Hinterbein ruhig zu stellen und zu hoffen, dass der Bruch noch heilt. Da auch bei ihr der Verband öfters gewechselt werden musste, blieb sie vorerst bei uns. Und da ist sie noch...
Sie wird wahrscheinlich nie mehr richtig laufen können und für immer “schief” bleiben – aber wir lieben dieses kleine Monster auch so...
Mit verbundenem Bein, noch dünn und etwas räudig – so schlich sie sich in unsere Herzen...
Heute gehört sie zu unserem Rudel und genießt ihren Status als Familienhund.
Jeder von uns könnte Euch noch so viele Geschichten erzählen, Buschi die vom Krebstumor-Hund, Ines vom Warzenschwein-Hund und der Gebärmuttervereiterungs-Katze, Thomas vom Nabelbruch-Blind-Kater und der Sticker-Tumor-Hündin, Roman von den Rottweiler-Geschwistern und der Steff-Hündin und Nina von der kleinen verhungerten Luna und dem Macheten-Hieb-Rüden, Sigi von seinen Erfahrungen beim Hundezählen, Tamalu wie sie den Leuten mit der Polizei drohte, wenn sie ihre Hündinnen nicht kastrieren lassen wollten, Katrin und Bob vom mit Benzin überschütteten Snoopy und der aufsässigen Yoda, Sabine vom Kampf der vergifteten Flacetita, Marina von Mascha, die im Regen nicht pinkeln wollte usw.
Wir alle sind während dieser Zeit weit über unsere persönlichen Grenzen hinausgegangen, haben Tränen vergossen, uns schon mal gestritten, schnell wieder vertragen, uns gemeinsam gefreut wenn wir helfen konnten und uns immer wieder gewundert, wie geduldig, lieb, lustig und intelligent all die vielen Tiere waren, die wir behandelt haben. Am Ende waren wir uns alle darüber einig, dass diese Aktion mehr als gelungen war – diese Aktion hat das Leben von sehr vielen Tieren aber auch von vielen Menschen nachhaltig verbessert, wir haben unzählige Leben retten können und haben gemeinsam mit allen Helfern, egal welcher Nation, für die gute Sache gekämpft.
Mich persönlich hat das alles sehr sehr glücklich gemacht, denn wenn man seine eigenen Probleme (oder was man dafür hält) zurückstellt und anderen hilft, bekommt man so viel zurück, und das ist ein wunderbares Gefühl... Ich danke allen, die daran beteiligt waren von ganzem Herzen – Ihr habt einen Traum wahr werden lassen, den Traum von glücklichen und gesunden Tieren - und dass sich in den Köpfen der Menschen hier etwas zum Positiven verändert hat.
Gerne würden wir weiter arbeiten, denn es gibt weiterhin viel zu tun und noch hunderte von Dörfern mit Tieren, die unsere Hilfe brauchen. Doch haben wir leider nicht noch einmal die Möglichkeit, 15.000,- Euro von unserem eigenen Geld (was eigentlich zum Hausbau bestimmt war) zu investieren. Mit Eurer finanziellen Unterstützung könnten wir noch in diesem Jahr eine weitere Kastrations-Aktion mit den Tierärzten vom Tierärztepool starten. Unser Hauptsponsor Condor hat schon zugesagt, uns weiterhin mit günstigen Flügen und dem Transport des ganzen OP-Materials zu helfen.

„Viralatas“
Bericht von Dipl. Biologe Siegfried Weisel
Das Wort „Viralatas“ hörte ich zum ersten Mal in der Dominikanischen Republik, wo ich vor kurzem mit Veterinären der international arbeitenden Organisation Tierärzte-Pool (www.tieraerzte-pool.de ) unterwegs war. Deren Plan war es, dort gemeinsam mit dem lokalen Tierschutzverein Amigos de Lucky eine groß angelegte Kastrationsaktion in dem Küstenstädtchen Las Terrenas auf der Halbinsel Samana durchzuführen.
Als Viralatas werden in der Dom. Rep. die Straßenhunde bezeichnet, was wörtlich aus dem Spanischen übersetzt soviel heißt, wie „die, die Büchsen umdrehen“. Und dazu gehören die meisten der vielen dort frei umherstreunenden Hunde, die auf ihrer Suche nach Nahrung Abfalltonnen umstoßen und Müllsäcke durchstöbern.
Warum ich als Tierökologe zusammen mit einem Veterinärteam in Sachen Straßenhunde unterwegs war und welche Erfahrungen ich dabei sammeln konnte, darüber möchte ich im Folgenden kurz berichten.
Im letzten Jahr erstellte ich für den Zuercher Tierschutz eine Literaturstudie über die Ökologie und die Lebensweise von Straßenhunden in verschiedenen Ländern Südeuropas und der sogenannten Dritten Welt. Anlass dafür war unter anderem, dass der ZT in einigen dieser Länder finanzielle Hilfestellung bei der Kastration von Straßenhunden leistet und daher mehr über die Auswirkung auf ihre Populationen in Erfahrung bringen wollte. Gute Gründe, warum es sich aus Sicht des Tierschutzes lohnt, solche Kastrationskampagnen zu unterstützen, gibt es natürlich eine ganze Menge. Einige davon seien hier kurz genannt:
- Durch eine Kastration werden weibliche Tiere von ihrer Rolle als lebende Gebährmaschinen befreit und männliche Hunde laufen dadurch in Zukunft weniger Gefahr sich in Rivalenkämpfen um läufige Hündinnen Verletzungen zuzuziehen, die in feucht-heißen Gegenden und bei fehlender veterinärmedizinischer Versorgung schnell zu lebensgefährlichen Wunden oder Abszessen mutieren.
- Insbesondere durch die Kastration von weiblichen Tieren wird die Geburtenrate gesenkt und es bleibt vielen Welpen damit erspart, an einem qualvollen Tod durch Verhungern, Krankheit und Parasitenbefall zu sterben oder schlichtweg in einer Mülltonne entsorgt zu werden.
- Weniger freilaufende Hunde in dicht besiedelten Gegenden bedeuten stets auch weniger Verkehrsunfälle, weniger Bissverletzungen und weniger durch Viren und Parasiten verursachte Krankheiten unter der menschlichen Bevölkerung, bei denen Hunde häufig als Zwischenwirte auftreten (z.B. bei Tollwut, Leptospirose und verschiedenen Wurminfektionen).
- Mit Hilfe groß angelegter und wiederholter Kastrationskampagnen im gleichen Gebiet kann die Zahl der dort lebenden Straßenhunde verringert werden. Den verantwortlichen Behörden kann damit demonstriert werden, dass es effizientere und vor allem auch humanere und gesellschaftlich akzeptablere Lösungen zur Bestandsregulierung von Straßenhunden gibt, als den nutzlosen Griff zum Giftköder oder das Einschläfern von gelegentlich eingefangenen Streunern.
- Kastrationskampagnen können einen wichtigen Impuls für das Umdenken in der örtlichen Bevölkerung beim Umgang mit ihren Haustieren geben und die Leute dazu motivieren, in Zukunft besser auf ihre Tiere aufzupassen.
Im Laufe meiner Recherchen zu besagter Literaturstudie zeigte sich nun, dass es bis dato so gut wie keine greifbaren Ergebnisse gibt, die aufzeigen, in welchem Ausmaß sich Straßenhundepopulationen durch Kastrationskampagnen beeinflussen lassen oder wie sich etwa das Verhalten von Straßenhunden nach ihrer Kastration verändert. Nicht bekannt ist bisher auch, wie viel Fleisch- und Essensabfälle aus privaten Haushalten, Märkten, Restaurants und Schlachthöfen zur Ernährung und damit auch zur Fortpflanzung der Hunde beitragen. Gänzlich unbekannt ist noch, wie sich das rasant zunehmende Bevölkerungswachstum in den Städten auf die dort lebenden Hundepopulationen auswirkt. Bereits 2008 lebten zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung, also etwa 3,3 Milliarden Menschen, in städtischen Siedlungen. Und bis 2030 prognostiziert die UNO gar einen Anstieg auf etwa fünf Milliarden. Wie nun eine Reihe von Untersuchungen von Wissenschaftlern der Weltgesundheitsorganisation WHO belegt haben, gibt es einen interessanten Zusammenhang zwischen der menschlichen Bevölkerungsdichte und der Hundedichte, unabhängig davon, ob sich das betrachtete Gebiet in Afrika, Asien oder Lateinamerika befindet. Wie ihre Studien zeigen, liegt dabei das Verhältnis von menschlichen Einwohnern zu Hunden meist zwischen vier zu eins und acht zu eins, d.h. pro vier bis acht Personen lebt durchschnittlich auch mindestens ein Hund im gleichen Gebiet.
Unklar ist dabei noch, wie dieser Zusammenhang zustande kommt. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass es ein, über die Kulturen hinweg ähnliches, Bedürfniß bei Menschen gibt, sich Hunde als Wächter, Spielgefährten oder Hausgenossen zu halten. Eine andere Ursache dafür liegt vielleicht auch in den mittlerweile sehr universellen Konsum- und Essgewohnheiten der Einwohner heutiger Städte begründet, in deren Folge vergleichbare Mengen an Abfällen erzeugt werden, die auch eine größenmäßig ähnliche Zahl von umherstreunender Hunden ernähren können.
Um diese vielschichtigen ökologischen und „sozialen“ Wechselbeziehungen zwischen Menschen, Hunden und ihrer Umwelt näher zu untersuchen und damit letzt-endlich auch wirkungsvolle Strategien für ihre nachhaltige Kontrolle entwickeln zu können, stimmte der ZT dem Vorhaben zu, ein entsprechendes Pilotprojekt aufzubauen. Auf der Suche nach einem geeigneten Standort für dieses Projekt begleitete ich daher im vergangenen Dezember und Januar die Tierärzte in die Dominikanische Republik. Dabei konnte ich auch gleich erfahren, wie viele Tiere ein hervorragend ausgebildetes Team von zwei operierenden Veterinärinnen, einem Anästhesisten und einem Assistenten unter Feldbedingungen wirklich kastrieren und behandeln können: 645 Kastrationen, davon 480 Hündinnen, 73 Rüden, 72 Katzen,16 Kater, 4 Kaninchen, sowie 74 Tiere mit Knochenbrüchen, Krebsgeschwüren, Nabelbrüchen und ähnlichen Beschwerden und das an 28 Arbeitstagen! Da die Tierärzte neben ihren medizinischen Qualifikationen auch noch ein beträchtliches verhaltensbiologisches und ökologisches Verständnis sowohl für die Tiere als auch für die Problematik der Straßenhunde mitbrachten, gestaltete sich unser gemeinsamer Aufenthalt äußerst interessant.
Was nun die Situation der Menschen und Hunde in der Stadt Las Terrenas betraf, so war sie durchaus mit der vergleichbar, wie ich sie auch bereits aus anderen Städten Lateinamerikas und Afrikas kannte: Eine große Schar von Hunden durchstöberte jeden Tag den am Straßenrand, auf Brachflächen und in Kanälen aufgehäuften Abfall. Eine Müllentsorgung, vor allem in den ärmeren und nur von Lehmstraßen durchzogenen Elendsvierteln am Stadtrand, fand nur sporadisch statt. Die meisten der dort aus Holz und Wellblech gebauten Häuser verfügten über keinen geschlossenen Garten und der Großteil der Hunde konnte nach Belieben auf die Straße laufen, nach paarungswilligen Männchen oder Weibchen Ausschau halten oder sich eben der Suche nach Fressbarem widmen. Zusammenstöße zwischen Fahrzeugen und Hunden waren daher an der Tagesordnung.
Nicht die Regel, sondern die absolute Ausnahme ist es aber, dass Tierärzte vor Ort sind, die sich schnell um angefahrene und verletzte Tiere kümmern -so wie dies während des gesamten Einsatzes in Las Terrenas der Fall war.
Das Elend der Straßenhunde, wie es in der kleinen Stadt Las Terrenas zu Tage trat, existiert natürlich in vielen Städten und Metropolen auf diesem Planeten.
Auch wenn es sich jetzt abzeichnet, dass innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre wahrscheinlich auch eine medikamentöse Sterilisation von Hunden möglich sein wird, die eine noch stärkere Geburtenkontrolle erlaubt, wird dies die angesprochenen Konflikte zwischen Menschen und umherstreunenden, kranken und hungrigen Straßenhunden nur teilweise entschärfen. Sozial schwächeren Menschen in Südeuropa und in der Dritten Welt dabei zu helfen, ihre tierischen Hausgenossen gesund zu halten, zu versuchen, sie für ein verantwortungsvolleres Verhalten gegenüber ihren Haustieren zu gewinnen und sie vor allem auch dabei zu unterstützen, eine sauberere und sicherere Umwelt für sich, ihre Kinder und ihre Tiere zu schaffen - das dürften noch für lange Zeit lohnenswerte Ziele eines modernen Tierschutzes bleiben.
Diese Aktion wurde finanziert durch:
Miriam & Andreas Busch
Asociacion Amigos de Lucky
Las Terrenas/ Samana
Dominikanische Republik
Cel.: 001-809-8552780
Cel.: 001-829-2911111
Tel.: 0049-(0)30-80935063
eMail: miriam(at)amigos-de-lucky.org
Skype-Name: miriambusch
Condor Flugdienst GmbH
Am Grünen Weg 1-3
65451 Kelsterbach


